Rainbow Mountain - Peru - ipackedmybackpack.de - Reiseblog

Bestimmt hast du auch schon diese unzähligen Fotos vom Rainbow Mountain gesehen. Die verrückten Farben, die spektakuläre Andenlandschaft und die Bilder, auf denen der Vinicunca fast schon unwirklich aussieht, hatten auch bei mir ihre Wirkung nicht verfehlt. Seit Monaten geisterte der Vinicunca durch meinen Kopf und ich war überzeugt, dass mich hier eines der Highlights meiner Peru-Reise erwarten würde.

Tja. Manchmal läuft es anders.

Lange war der Vinicunca, wie der Berg eigentlich heißt, unbekannt. Der Berg mit einer Höhe von 5200m war lange von zu viel Schnee und Eis bedeckt, sodass die bunten Gesteinsschichten verdeckt waren. Innerhalb kurzer Zeit wurde der Rainbow Mountain zum Touristenmagnet.

Und genau hier liegt auch das Problem, denn die Region ist auf den massiven Ansturm nicht vorbereitet. Die Gegend ist sehr dünn besiedelt. Die Ureinwohner der Region, die Papachiri, stellen den Touranbietern ihre Pfade zum Rainbow Mountain für Touristen zur Verfügung. Doch während die arme Bevölkerung teilweise von dem neuen Touristen profitiert, leidet die Landschaft.

Aufbruch zum Rainbow Mountain

Wir werden mitten in der Nacht, genauer gesagt um 3 Uhr morgens, mit einem Minivan abgeholt. Gebucht haben wir eine Tour zum Rainbow Mountain für 35 Soles. Etwa drei Stunden dauert die Fahrt auf der teilweise wahnsinnig schmalen kurvigen unbefestigten Straße hinauf zum Ausgangspunkt der Wanderung. Unserem Fahrer wird wirklich alles abverlangt.

Rainbow Mountain - Peru - ipackedmybackpack.de - Reiseblog

Rainbow Mountain - Peru - ipackedmybackpack.de - Reiseblog
Die einheimischen Frauen sind den Weg teilweise in Sandalen (mit Wollsocken darunter) gelaufen.

Als wir oben aus dem Minivan steigen, macht sich die Ernüchterung schnell breit. Statt blauem Himmel und farbenfrohen Berghängen erwarten uns Nebel, Schneematsch und eisiger Wind. Nicht gerade die Bedingungen, die man sich für einen der bekanntesten Fotospots Perus wünscht.

Über Nacht hat es hier oben viel geschneit. Im März ist das Wetter in Peru noch unberechenbar. Unser Guide berichtete, dass die beiden Tage zuvor bestes Wetter war aber letzte Nacht gab es jede Menge Neuschnee und der heutige Morgen nebelig und regnerisch und teilweise verschneit. Wir wurden schon vorab gewarnt, dass man bei Schnee nichts vom Rainbow Mountain sehen würde. Bevor es dennoch losgeht, bekommen wir etwas gegen die Höhenkrankheit. Eine Flüssigkeit die auf die Handflächen geträufelt wird und an denen man riecht, sobald man die ersten Symptome der Höhenkrankheit spürt.

Einen kleinen vom zertrampelten Schnee rutschigen Weg. Alternativ kann man sich auch ein Pferd nehmen für die etwa einstündige Strecke. 60 Soles eine Strecke. Hin und zurück glaube ich 80 Soles (Stand März 2019). Wir laufen erstmal los und werden es bald bereuen.

Rainbow Mountain - Peru - ipackedmybackpack.de - Reiseblog

Auf dem Parkplatz bieten Einheimische ihre Pferde für den etwa einstündigen Trek an. Wer den Trail auf einem mageren Pferd zurücklegen will, die von traditionell gekleideten Frauen geführt werden, muss etwa 60 Soles für Strecke zahlen (hin und zurück 80 Soles wenn ich mich richtig erinnere). Einige der einheimischen Frauen laufen den Weg sogar in Plastiksandalen. Wir empfinden uns aber als eigentlich recht fit und wollen den Trek zu Fuß gehen aber werden es bald bereuen.

Auf einem kleinen, schlammigen, vom zertrampelten Schnee rutschigen und vereisten Trampelweg geht es immer bergauf. Die Bergkulisse um uns herum sieht schon jetzt spektakulär aus. Aber wirklich genießen kann man die Aussicht nicht. Es ist unglaublich rutschig und neben dem nur wenige Zentimeter breiten Weg ist tiefer Abgrund. Aus Angst hinzufallen bewege ich mich mit Minischritten vorwärts.

Die Entscheidung umzukehren

Zitternd, durchnässt und bis zu den Knien voller Schlamm kommen uns die ersten „Abbrecher“ entgegen. Spätestens da wird mir klar, dass wir nicht die Einzigen sind, die Zweifel haben.

Auf halber Strecke sind auch wir maximal frustriert und haben Respekt vor dem tiefen Abgrund. Ehrlich gesagt war ich zu diesem Zeitpunkt eher damit beschäftigt, nicht auszurutschen, als die Landschaft zu genießen.

Der Guide versichert uns, dass man wegen des Schnees eh kein Rainbow sehen wird also drehen wir auf halber Strecke um und warten im Minivan auf die anderen.

Natürlich war ich im ersten Moment enttäuscht. Schließlich waren wir mitten in der Nacht aufgestanden, stundenlang gefahren und hatten uns auf diesen Tag gefreut. Aber je länger ich darüber nachdachte, desto sicherer war ich mir, dass Umkehren die richtige Entscheidung gewesen war.

Rainbow Mountain - Peru - ipackedmybackpack.de - Reiseblog

Rainbow Mountain - Peru - ipackedmybackpack.de - Reiseblog

Eine gute Entscheidung wie sich rausgestellt hat. Diejenigen aus unserer Gruppe, die den Trek zu Ende gemacht haben kamen teilweise am ganzen Körper zitternd und von oben bis unten mit Matsch völlig fertig zurück zum Minivan und berichteten, dass sie teilweise im Minutentakt hingefallen wären und besonders glatte/rutschige Abschnitte auf dem Hintern vorwärts robbend vorwärts bewegt haben. Fast alle sind mehrfach gefallen und am Ende gesehen hat man vom Rainbow Mountain mit seinen sieben Farben nichts. Der Berg war mit Schnee bedeckt und komplett in Nebel getaucht.

Mein Fazit am Ende des Tages…

Ohne Zweifel kann eine Wanderung zum Rainbow Mountain auch zu einem genialen unglaublichen Erlebnis werden und der Weg dorthin an sich bei gutem Wetter auch keine große Herausforderung. Aber es kann auch zu einem miserablen, matschigen Erfahrung werden. Bei diesen Bedingungen ist der Weg kaum passierbar. Trotz der teilweise gefährlichen Bedingungen werden die Touren durchgeführt, was meiner Meinung bei diesen Wetterverhältnissen unverantwortlich ist.

Würde ich noch einmal eine Tour zum Rainbow Mountain buchen? Ja, definitiv.

Aber nur bei gutem Wetter.

An diesem Tag hat mir der Rainbow Mountain vor allem gezeigt, dass man nicht jedes Ziel um jeden Preis erreichen muss. Manchmal ist Umkehren die vernünftigere Entscheidung. Natürlich war ich enttäuscht, die berühmten Farben nicht gesehen zu haben. Gleichzeitig bin ich froh, dass wir auf unser Bauchgefühl gehört haben.

Was mich an diesem Tag wirklich überrascht hat: Wie viele Menschen völlig unvorbereitet unterwegs waren. In unserer Gruppe lief tatsächlich jemand in Crocs den Berg hinauf. Dabei befindet sich der Rainbow Mountain auf über 5.000 Metern Höhe und das Wetter kann innerhalb weniger Stunden komplett umschlagen. Gerade deshalb würde ich die Tour niemals unterschätzen. Eine Wanderung auf dieser Höhe ist kein Zusckerschlecken ist. Wenn man bedenkt: Der höchste Berg der Alpen, der Mount Blanc, ist lediglich 4810 Meter hoch.

Wir waren froh es unversehrt und in einem Stück zurück geschafft haben. Und ganz ehrlich: Die neugierige Alpakaherde, die uns auf dem Rückweg entgegenkam, gehört heute trotzdem zu meinen schönsten Erinnerungen an diesen Tag. So nah wären wir den Tieren in freier Wildbahn wohl nie gekommen. Allein deswegen hat sich der Trip für uns schon gelohnt.

Rainbow Mountain - Peru - ipackedmybackpack.de - Reiseblog

Rainbow Mountain - Peru - ipackedmybackpack.de - Reiseblog

Rainbow Mountain - Peru - ipackedmybackpack.de - Reiseblog

Rainbow Mountain - Peru - ipackedmybackpack.de - Reiseblog

Rainbow Mountain - Peru - ipackedmybackpack.de - Reiseblog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert