Unterschätzes Sarajevo: Tipps für einen Städtetrip

Wenn man an Sarajevo denkt, dann meist auch an die schockierenden Bilder in den Nachrichten, die Einschusslöcher an den Häuserfassaden und trauernden Menschen. Seit dem Ende des Krieges sind mittlerweile 23 Jahre vergangen. Seitdem hat sich in Sarajevo einiges verändert.

Es ist Freitagabend und ich sitze an einer Bar neben dem neogotischen katholischen Dom, trinke ein Sarajevsko Pivo und beobachte das Treiben auf dem Domplatz. Es ist mein erster Abend in Sarajevo und ich lasse die ersten Eindrücke der Stadt auf mich wirken. Kurz zuvor bin ich von München über Wien am Flughafen Sarajevo angekommen. Der Flug dauert nur etwa ein bis zwei Stunden und schon kurz nach der Ankunft konnte ich mich von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Bosnier überzeugen.

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Der Brunnen Sebilj am Hauptplatz von Baščaršija.

Es lohnt sich auf jeden Fall einen Blick hinter die Narben der Vergangenheit zu werfen. Die kleinen Gassen der Altstadt sind voller Menschen, die Häuserfassaden sind renoviert und Menschen sprühen vor Lebensfreude und Gastfreundschaft. Die Kellner, die höflich und interessiert fragen wo man herkommt oder die nette Familie, die uns bei der Ankunft am Flughafen nicht im Regen stehen lassen wollte und uns zum Hostel fährt. Ich war sofort verliebt in diese Stadt und wenn du bisher noch nicht in Bosnien und Herzegowina warst, nichts wie hin!

Hier 10 Dinge, die einen Besuch in Sarajevo besonders machen:

Punkt 1: Zu Fuß durch Sarajevo bummeln

Sarajevo lasst sich am besten zu Fuß erkunden. Die Entfernungen in der Hauptstadt Bosnien & Herzegowinas sind nicht sehr groß und was man zu Fuß nicht schafft, kann man mit der urigen Tram oder dem Taxi erreichen.

Sarajevo ist ein ein charmanter Mix aus orientalischem Charm und europäischem Flair. Ich spaziere entlang der Ferhadija, der Einkaufsstraße mit ihren austro-ungarischen Bauten und bin auf einmal in einer ganz anderen Welt. Kleine Läden, orientalische Basare und der süßliche Geruch von Wasserpfeife in der Luft. „Sarajevo – Meeting of Cultures“ verrät mir ein Schriftzug auf dem Boden. An jeder Ecke findet man sympathische Café und kleine Restaurants. Der Geruch von frischem Kaffee zieht mich in ein niedliches Kaffeehaus. Ich bestelle ein Bosnian Coffee, der mir auf einem verzierten Kupfertablett serviert wird.

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Punkt 2: Die Altstadt Baščaršija erkunden

Ich schlendere weiter durch die kleinen Gassen des osmanisch geprägten Viertels Baščaršija, der Altstadt von Sarajevo und erreiche den Hauptplatz Baščaršija mit dem 1891 erbauten Brunnen Sebilj. Hier tummeln sich dutzende Tauben um einige Maiskörner der fütternden Touristen abzubekommen.

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In der Altstadt Baščaršija.

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Punkt 3: Die Geschichte hinter Sarajevos Rosen

Trotz der Schönheit und Idylle der Stadt sind Sarajevos Narben der Vergangenheit allgegenwärtig. Wenn man durch die Altstadt spaziert, werden einem immer wieder rote Farbkleckse auf dem Boden begegnen. Und wenn man weiss worum es sich dabei handelt, wird einem schon etwas flau im Magen. Es handelt sich dabei um „Sarajevos Rosen“. Überall wo mehrere Menschen durch Granatenanschläge in der Stadt zwischen 1992 und 1995 umgekommen sind, hat man die Schäden im Beton mit roter Farbe aufgegossen. In ganz Sarajevo gibt es wohl etwa hundert davon.

Punkt 4: In der Galerija 11/07/95 den Opfern gedenken

Das Museum Galerija 11/07/95 befindet sich neben der Kathedrale und zeigt Fotografien und Kurzfilme über das Massaker von Srebrenica und die Zeit danach. Das Museum wurde erichtet um an die über 8000 Opfer des Völkermords zu gedenken. Der Eintritt kosten 12 Mark, der Audioguide weitere 3 Mark (ja, hier bezahlt man mit der Konvertible Mark).

Punkt 5: Die Lateinerbrücke (Latinska ćuprija) besuchen

Ich schlendere entlang des Flusses Miljacka und erreiche die osmanische Lateinerbrücke, die traurige Berühmtheit erlangte. Die Straßenecke gegenüber der Brücke war 1914 Tatort des Attentats auf Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie. Das Attentat gilt als Auslöser des erste Weltkriegs.

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Die osmanische Lateinerbrücke war Tatort des Attentats auf Franz Ferdinand und seine Frau Sophie.

Punkt 6: In der Vijećnica über die Geschichte der Stadt lernen

Nur wenige Meter weiter befindet sich die Vijećnica – das von außen etwas klotzigen wirkende Rathaus und die Nationalbibliothek aus dem Jahr 1894. Während des Krieges wurde das imposante Gebäude 1992 fast vollständig zerstört und bis 2014 restauriert. Im Inneren erwarten einen neben einer imposanten Buntglaskuppel, eine Ausstellung über die Geschichte der Stadt.

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Die Vijećnica mit seiner imposanten Buntglaskuppel.

Ich möchte die traditionelle Küche probieren (natürlich nur die vegetarische) und gehe ins kleine Restaurant Inat kuća direkt am Flussufer gegenüber des Rathauses. Bei einem Sarajevsko und traditionellen Käsenudeln sitze ich auf der Terrasse des niedlichen Restaurants und beobachte das Treiben am Flussufer.

Punkt 7: Von der gelben Bastion die Aussicht genießen

Gestärkt geht meine Erkundungstour durch Sarajevo weiter und ich laufe rechts an der Vijećnica die steilen engen Kurven den Hügel hinauf zur gelben Bastion und belohne mich für den Aufstieg mit einem Bosnian Coffee. Von hier hat man einen fantastischen Ausblick über die ganze Stadt, die umliegenden Berge, die unzähligen kleinen Häuser an den Hängen. Ins Auge stechen die Friedhöfe an den Hängen mit weißen, spitzen Grabsteinen. Besonders schön ist der Ausblick in der Abenddämmerung. Läuft man von hier noch etwas weiter erreicht man die weiße Festung.

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Ausblick von der gelben Bastion.

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Punkt 8: Die wohl coolste Bar der Stadt…

…und die beste Bar, die ich je besucht habe. Perfekt um den Abend ausklingen zu lassen. Das Innere der kleinen Bar Zlatna Ribica (Golden Fish) ist eingerichtet wie das Wohnzimmer einer Antiquitätensammelnden Urgroßmutter. Alte Telefone, Schmuck – Vintagestücke überall. Die in kleine Gedichtsbüchlein gekritzelte Getränkekarte seilt man sich vom Kronleuchter herunter. Die einmalige Dekoration und Atmosphäre machen den Barbesuch zu einem tollen Erlebnis.

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In der kleinen Bar Zlatna Ribica (Golden Fish).

Punkt 9: Auf Berg Trebević die alte Bobbahn der olympischen Spiele suchen

Am zweiten Tag will ich etwas raus aus der Stadt und auf den Berg Trebević, auf dem 1984 die Olympischen Spiele ausgetragen wurden. Seit April 2018 kann man nun auch wieder mit der neugebauten Seilbahn hinauffahren.

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Ausblick vom Berg Trebević über Sarajevo.

Von hier oben hat man einen sagenhaften Ausblick über Sarajevo. Ich spaziere etwas herum auf der Suche nach der alten Bobbahn der Olympischen Spiele die sich hier oben, von der Natur wieder zurückgeholt, durch den Wald schlängelt. An einem kleinen Schotterparkplatz gehe ich einen unscheinbaren Waldweg entlang und entdecke die verwachsene und mit Graffiti besprühte Bobbahn, an der blitzschnell ein Fahrradfahrer an mir vorbei heizt. Der Spaziergang entlang der Bahn hat etwas mystisches. Kaum zu glauben, dass hier 1984 tausende jubelnde Menschen die Bobfahrer angefeuert haben.

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Ein wahrer Lost Place: Die alte Bobbahn der Olympischen Spiele 1984.

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Auf dem Berg entdeckt man viele hübsche Pflänzchen.

Punkt 10: Bosnian Coffee genießen

Die Bewohner Sarajevos lieben Kaffee und die Kaffeekultur in der Stadt sehr ausgeprägt Überall findet man kleine, gutbesuchte Straßencafés. Der bosnische Kaffee ist dem türkischen Kaffee ähnlich – stark und bitter. Aber wie man ihn trinkt muss gelernt sein. Der bosnische Kaffee wird auf einem kleinen verzierten Kupfertablett serviert, auf dem sich eine mit Kaffee gefüllte Dzezva (eine kupferne Kaffeekanne mit einem langen Griff), eine leere Tasse, einem kleinen Gefäss mit Zucker und einer bosnischen Süßigkeit (ähnlich dem Turkish Delight) befinden. Man löffelt zuerst den Schaum vom Kaffee in der Dzerva, füllt ihn in die kleine leere Tasse und gießt dann den Kaffee nach. 

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Der starke Bosnian Coffee wird auf verzierten Kupfertabletts serviert.

Mein Fazit von Sarajevo

Ich war sofort hin und weg von Sarajevo. So eine charmante süße Stadt! Hier trifft der Westen auf den Osten, Stadt auf Berge und Traditionen auf Moderne. Ich habe mich in diese widersprüchliche und einzigartige Stadt sofort verliebt. Für mich gehört Sarajevo zu den am meisten unterschätzten Städte Europas.

Sarajevo scheint sich von seiner tragischen Vergangenheit langsam zu erholen. Es ist schön zu sehen, dass viele Touristen die Stadt besuchen. Und das ist kein Wunder – Sarajevo ist ein spannendes charmantes tolles Ziel und mit 1-2 Stunden Flugzeit ab Deutschland ideal für einen Wochenendtrip.

Warst du auch schon mal in Sarajevo? Was hat dir noch gut gefallen?

 

Anreise

Ab München gibt es mit Lufthansa Direktflüge nach Sarajevo mit einer kurzen Flugzeit von etwa 1,5 Stunden. Eine andere Möglichkeit wäre Austria Airlines mit Umstieg in Wien.

Sicherheit

Ich habe mich in Sarajevo zu jeder Zeit sehr wohl und sicher gefühlt. Mich wundert es nicht, dass die Stadt zu den sichersten Städten Europas gezählt wird. Eine Gefahr sind nach wie vor Landminen. Besiedelte und gut besuchte Gegenden wie Nationalparks wurden von Mienen geräumt. Von wenig besucht wirkenden Gegenden sollte man trotzdem Abstand nehmen.

Essen

Auch wenn Ćevapčići mit Pita-Brot zu den beliebtesten und bekanntesten Gerichten der bosnischen Küche gehört, hat sie auch für Vegetarier einiges zu bieten. Z.B. die Bosnischen Ravioli „Klepe“ in sauer Sahne gibt es auch mit vegetarischer Käsefüllung. Besonders gut gefallen hat mir das süße Restaurant Inat kuća direkt am Flussufer. Hier wird traditionelle lokale Hausmannskost zu einem guten Preis serviert. Nett für Veganer & Vegetarier aber weniger traditionell ist das kleine Klopa. Das moderne Restaurant befindet sich in einem Hinterhof der Ferhadija.

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