Libanon

Libanon: Tipps für einen Städtetrip nach Beirut

Beirut hat mich gereizt, obwohl ich gar nicht so genau sagen kann warum. Klar, auf den ersten Blick mag der Libanon nicht nach einem typischen Reiseziel klingen – die Nähe zu Syrien und die Bürgerkrieg-Vergangenheit schrecken ab. Doch irgendwas reizte mich an Beirut und so ignorierte ich diesen Herbst alle Bedenken und reiste in den Libanon.

Die Reaktion die ich bekam wenn ich Freunden und Kollegen von meinem Vorhaben in den Libanon zu reisen erzählte, kannte ich bevor sie ausgesprochen war: „Was willst du denn in dem Libanon?“ „Ist das nicht gefährlich?“ „Machst du jetzt Katastrophentourismus?“ Jetzt wo ich wieder zurück bin kann ich sagen, ich habe mich in Beirut sicher gefühlt. Beirut ist eine interessante und schöne Stadt und der Libanon hat geschichtlich und landschaftlich einiges zu bieten.

Als ich mich vor meiner Reise über Beirut und den Libanon informierte fiel mir auf, dass man online so gut wie keine Informationen über Backpacking in Beirut und im Libanon findet. Das möchte ich gerne ändern und hier meine Eindrücke mit euch teilen.

Beirut – eine Stadt der Kontraste

Beirut ist voller Kontraste: Auf einer Seite ist die Stadt total modern, die Anzahl teurer Sportwagen die man sieht immens und mit den aneinandergereihten Luxusboutiquen könnte man denken man wäre in Paris. Auf der anderen Seite zeigt sich die libanesische Hauptstadt total hip und alternativ mit buntbemalten Treppen und coolen Restaurants, Bars und Cafés wie im Mar Mikhael-Viertel. Und dann sind dort die mit Einschusslöchern versehenen Gebäude und Statuen, die an den Bürgerkrieg erinnern. Zugeben ein verstörender Anblick.

Der Libanon ist ein so kleines Land, dass man viel in kurzer Zeit erkunden kann. Ich würde empfehlen Beirut als Basis zu nehmen und von dort Tagestrips zu machen. Auf andere europäische Touristen trifft man kaum. 

Ankommen in Beirut

Mitten in der Nacht lande ich am Flughafen von Beirut und bin froh mir bereits vorab einen Shuttle zum Hotel organisiert zu haben. Die Fahrt in die Stadt dauert je nach Verkehr etwa 40 Minuten. Hier wohne ich im zentralen Beirut City Hotel & Suites im Stadtteil Hamra.

Noch etwas übermüdet von der kurzen Nacht aber volle Vorfreude was mich heute hier erwarten wird, probiere ich mich durch das orientalische Frühstücksbuffet des Hotels und bin schon jetzt hin und weg.

Der Stadtteil Hamra in dem ich wohne ist der ideale Ausgangspunkt um die Stadt zu erkunden. Hier gibt es viele Hotels, eine Einkaufsstraße mit Läden internationaler Marken, nette Restaurants und Bars. Ideal ist natürlich auch die Nähe zur Corniche. In Hamra befindet such auch die American University of Beirut (AUB), deren Campus man besichtigen kann und der ideal ist, wenn man von der trubeligen Stadt mal etwas Ruhe braucht.

Die Corniche

Ich will mir erstmal einen Überblick verschaffen und entlang der Corniche, der Uferpromenade von Beirut. Hier trifft man auf Jogger, Angler und Spaziergänger. Ich habe sogar das Glück und entdecke einige Schildkröten im Wasser.

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Mit etwas Glück und guten Augen kann man von der Corniche Schildkröten beobachten.

Ich laufe zunächst Richtung Westen die Küste entlang, komme an Cafés und Restaurants vorbei und erreiche bald den Pigeon Rock. Etwas weiter kommt man zum einzigen öffentlichen Strand der Stadt, dem Rafik Hariri Beach. Viel los ist hier heute nicht.

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Der Pigeon Rock zählt zu den Hauptsehenswürdigkeiten von Beirut.
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Der öffentliche Rafik Hariri Beach in Beirut.

Läuft man die Corniche in die andere Richtung entlang Richtung Osten, zeigt sich die Stadt in einem ganz anderen Licht. Man kommt vorbei am prunkvollen Hafen Zaitunay Bay mit Superyachten und schicken Restaurants. Auf der anderen Straßenseite fällt mir sofort eine Ruine ins Auge. Es ist das ehemalige Holiday Inn, dessen Hausfassade mit Schusslöchern aus Zeiten des Bürgerkriegs übersät ist. Es hatte gerade ein mal ein Jahr geöffnet, recherchiere ich später.

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Die alte Ruine des ehemaligen Holiday Inn ist übersät mit Einschusslöchern.

Beirut Souks

Vorbei am schicken Yachthafen laufe ich zu den Beirut Souks. Wer jetzt an einen trubeligen Basar mit traditionellen Ständen und dem Duft nach orientalischen Gewürzen in der Luft denkt, liegt daneben. Tatsächlich hält es sich dabei um ein modernes, blitzblankes Einkaufszentrum mit erschwinglichen Modemarken wie H&M bis hin zu high-end Luxuslabels. Wenn ich es richtig verstanden habe ist dies aber auch die Fläche wo sich früher der ursprünglich Souk befand. Ich habe Glück, denn heute am Samstagvormittag findet hier ein kleiner Markt mit verschiednen lokalen Nahrungsmitteln, leckeren und kostengünstigen traditionellen Snacks, Gewürzen und Backwaren mit wirklich köstlichem Essen vor dem Einkaufszentrums statt. Der Souk el Tayeb Farmers Market findet hier jeden Samstagvormittag statt.

Die Innenstadt von Beirut

Ich laufe weiter zur Beiruter Innenstadt (BCD), die während des Bürgerkriegs teilweise stark zerstört wurde. Auf dem Weg entdecke ich ein verlassenes Restaurant. Durch die Fensterscheibe sehe ich die edel gedeckten Tische die unter einer dicken Staubschicht liegen. Das Restaurant scheint seit Jahren verlassen. Ein bisschen erinnert mich der Anblick an ein Geisterhaus und ich frage mich was sich hier abgespielt haben muss.

Ich erreiche den Nejmeh Square und bin beeindruckt von der schönen Architektur der Gegend. Nur unweit davon entfernt steht die im 12. Jahrhundert erbaute Omari Moschee. Ich komme an einem Parkplatz mit einer Grube von Ausgrabungen vorbei und erreiche den Martyrs Square, früher einer der wichtigsten Versammlungsplätze der Stadt. Die Statue ist mit Einschusslöchern übersät und versetzt mir ein beklemmendes Gefühl.

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Die Statur am Martyrs Square ist voll mit Einschusslöchern.

Direkt dahinter sieht man auch schon die 2008 fertiggestellte Al Amine Moschee die mich mit ihrer Kuppel ein bisschen an die Hagia Sophia in Istanbul erinnert.

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Die Al Amine Moschee erkennt man schon von Weitem.

Von hier ist es auch nicht mehr weit zum hippen Stadtteil Mar Mikhael mit netten Restaurants, Cafes und bunt bemalten Treppenstufen.

Ausflug ins Umland von Beirut

Ich will vom Libanon mehr sehen als nur Beirut und da ich mir das Auto fahren hier auf den chaotischen Straßen nicht zutraue, schließe ich mich einer Tagestour an. Einen Anbieter für Tagestouren zu finden ist in Beirut gar nicht so einfach, denn Touranbieter gibt es kaum und selbst vor der Touristeninformation stehe ich immer vor verschlossenen Türen.

Ich will einen Ausflug zum Baatara Gorge waterfall in Tannourine unternehmen, der bei Einheimischen besser als Baloue Balaa bekannt ist. Die Tour beginnt früh am nächsten Morgen. Andere Touristen sind nicht im Bus. Die Führerin spricht kein Englisch aber die anderen Libanesen im Bus sind freundlich und versuchen zu übersetzen.

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Der Baatara Gorge ist im Frühling mit dem Wasserfall bestimmt noch viel beeindruckender.

Nach etwa zwei Stunden Fahrt erreichen wir den Baatara Gorge Waterfall in Tannourine, worauf ich mich schon die ganze Zeit gefreut hatte. Im Frühling wenn der Schnee vom Mount Lebanon schmilzt entsteht hier ein etwa 250m tiefer Wasserfall hinter drei Kalkstein-Brücken. Das Naturschauspiel soll ein fantastischer Anblick sein. Jetzt im Sommer ist aber leider alles ausgetrocknet.

Mein Fazit Beirut und dem Libanon

Mir hat Beirut und der Libanon sehr gut gefallen. Man muss sich natürlich an diesen verstörenden Anblick erst gewöhnen: Die Spuren vom Bürgerkrieg neben dem ganzen Blingbling. Aber Beirut ist eine schicke, moderne Stadt mit historischen Stätten, hippen Bars und Restaurants. Außerdem ist das Land klein und man kann in kurzer Zeit durch die geringen Distanzen viel erkunden. Fantastisch ist auch die enorme Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Libanesen. Ich wäre sehr gerne auch nach Baalbek gefahren und mir die Tempelanlage angeschaut aber das ist aus Sicherheitsgründen aktuell eher nicht zu empfehlen.

Weitere Impressionen

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Die Ruinen vom roman bath.
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Aussicht von der Saint Charbel Monastery.

2 Gedanken zu „Libanon: Tipps für einen Städtetrip nach Beirut

  1. Ich reise jedes Jahr in den Libanon. Für mich das aufregendste, schönste und leckerste Fleckchen Erde. Die Menschen sind immer freundlich und Verständigungsprobleme gibt es nicht. Alle sprechen außer Arabisch auch noch Englisch und Französisch, und zur Not geht es auch mit Händen und Füßen. Ich kenne das Land gut, da ich im Bürgerkrieg 6 Jahre hier gelebt habe. von 1980 – 1986.. selbst im Krieg hat der Libanese nie seinen Optimismus verloren.. das spiegelt sich heute noch wieder.. ein Motto lautet.. geht nicht-gibt’s nicht. Im inneren der Stadt sieht man heute noch abenteuerlich zusammengeschlungene Stromkabel. Wer da wessen Strom bezahlt, kann man glaub ich nicht mehr sagen. .Hauptsache ist: es gibt Strom.. woher auch immer dieser kommt.
    Ein großes Problem im Libanon ist der Müll, Keiner weiß wohin damit, und so bleibt er teilweise wochenlang liegen und es entwickeln sich richtige Müllberge, was gerade im Sommer nicht sonderlich gut riecht. Aber die Regierung reagiert nicht und das ist sehr schade, da es dem Land eine Menge Schönheit nimmt.
    Ansonsten kann ich nur sagen, wer noch nicht da war, der sollte das unbedingt mal machen. Die Nähe vom Meer und den Bergen ist unschlagbar. Das Essen eine Wucht und man kann sich von morgens bis abends auch für wenig Geld bestens beschäftigen. Ein Sonnenuntergang mit kleinen Leckereien in den zahlreichen Restaurants, die in die Klippen eingebaut sind, ein Muss für jeden. Der Fisch, der täglich von den Fischern aus dem Meer geholt wird, und mit viel Liebe zubereitet auf dem Teller landet, ein Genuss.. genau wie das Tabouleh, der Hummusbrei, Yoghurt-Minz Soße und ach so viele leckere Sachen.. da kann man gar nicht aufhören.
    Ich fliege am 20.06. hin und freu mich schon wie Bolle:: ich werde berichten!!!!

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