Nach zwei unglaublich ereignisreichen Tagen geht es für mich zurück nach Kigali. Gegen 19 Uhr setzt mich mein Guide wieder an der Eagle View Lodge ab – genau der Unterkunft, in der meine Reise durch Ruanda wenige Tage zuvor begonnen hat.
Diesmal wartet sogar ein riesiger Balkon auf mich ganz allein. Ehrlich gesagt hätte ich mir keinen besseren Ort wünschen können, um diesen Tag langsam ausklingen zu lassen. Während vor mir langsam die Lichter Kigalis angehen, breite ich erst einmal meine komplett durchnässten und matschigen Klamotten vom Gorilla-Trekking über dem Geländer aus. Ob sie bis morgen trocken werden? Eher fraglich.
Nach einer ausgiebigen Dusche sitze ich noch lange auf meinem Balkon und genieße den Blick über die glitzernden Lichter Kigalis. Eigentlich könnte ich noch Stunden hier sitzen, aber mein letzter Urlaubstag wartet und Kigali möchte noch entdeckt werden, bevor es zurück nach Hause geht.
Nach so einem ereignisreichen Tag werde ich heute vermutlich so gut schlafen wie schon lange nicht mehr.


Ein Frühstück mit Aussicht
Nach den vielen Eindrücken der letzten Tage tut es gut, den Morgen ganz in Ruhe zu beginnen. Beim Frühstück sitze ich draußen auf der Terrasse der Eagle View Lodge und genieße vermutlich eine der schönsten Aussichten über ganz Kigali. Mit einer Tasse Kaffee in der Hand schaue ich über die unzähligen grünen Hügel, auf denen sich die Stadt ausbreitet.
Erst jetzt wird mir noch einmal richtig bewusst, warum Ruanda den Beinamen „Land der tausend Hügel“ trägt.
Eigentlich könnte ich noch Stunden hier sitzen. Aber heute ist mein letzter voller Tag in Ruanda und ich möchte Kigali ganz bewusst ohne Zeitdruck erkunden, bevor es zurück nach Hause geht.

Mein erster Eindruck von Kigali
Schon bei meiner Ankunft ein paar Tage zuvor hatte mich Kigali überrascht.
Viele Reisende nutzen die Stadt lediglich als Ausgangspunkt für das Gorilla-Trekking. Ich bin aber sehr froh, dass ich mir Zeit genommen habe, Kigali zu entdecken.
Denn die Stadt fühlt sich völlig anders an, als ich es von einer afrikanischen Hauptstadt erwartet hätte.
Modern, geordnet, unglaublich sauber und vor allem sehr sicher.
Vor meiner Reise hatte ich immer wieder gelesen, Kigali sei die sauberste und sicherste Stadt Afrikas.
Nach zwei Tagen hier kann ich das absolut nachvollziehen. Nirgendwo liegt Müll am Straßenrand. Die Straßen wirken gepflegt.
Geschwindigkeitsbegrenzungen werden konsequent kontrolliert und Verstöße entsprechend geahndet. Und trotzdem verliert Kigali dabei nicht seinen afrikanischen Charme.
Während ich durch die Straßen schlendere, begegnen mir immer wieder Frauen, die scheinbar mühelos schwere Körbe oder Kanister auf ihren Köpfen balancieren. Kleine Straßenstände verkaufen Obst und Gemüse, Händler sitzen vor ihren Geschäften und überall herrscht reges Treiben. Genau diese Mischung gefällt mir.
Kigali wirkt modern und zukunftsorientiert, ohne dabei seine Wurzeln zu verlieren.
Ich habe mich während meines gesamten Aufenthalts kein einziges Mal unsicher gefühlt. Natürlich fällt man als weiße Touristin auf und zieht immer wieder neugierige Blicke auf sich. Diese sind aber nie unangenehm oder aufdringlich. Ganz im Gegenteil.
Die Menschen begegnen mir mit einer unglaublichen Freundlichkeit und Offenheit.
Mit Taxi oder Moto durch Kigali
Uber gibt es in Kigali übrigens nicht.
Stattdessen nutzen die Einheimischen vor allem zwei Taxi-Apps: Yego und VW Move.
Beide funktionieren ähnlich wie Uber.
Yego ist meist etwas günstiger und bietet neben normalen Autos auch die typischen Moto-Taxis an. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass die Fahrer weniger gut Englisch sprechen und ich hatte auch einmal etwas Pech mit einem sehr unfreundlichen Fahrer.
Bei VW Move waren die Autos deutlich neuer – ausschließlich Volkswagen – und die Fahrer sprachen fast immer gutes Englisch. Dafür bezahlt man allerdings auch etwas mehr.
Eines der ersten Dinge, die mir in Kigali auffallen, sind die unzähligen Moto-Taxis, die sich geschickt durch den Verkehr schlängeln oder an Straßenecken gebündelt auf neue Fahrgäste warten. Fahrräder gehören zwar ebenfalls zum Straßenbild, fallen zwischen den vielen Moto-Taxis aber deutlich weniger auf als außerhalb der Stadt.
Ganz anders sah das noch auf meiner Fahrt Richtung Uganda aus. Dort begegneten uns immer wieder Radfahrer, die riesige silberne Milchkannen auf ihren Gepäckträgern transportierten – teilweise gleich mehrere gleichzeitig. Mein Fahrer erklärte mir damals, dass viele Kleinbauern ihre frische Milch auf diese Weise täglich zu Sammelstellen oder Molkereien bringen. Ein Anblick, den ich so vorher noch nie gesehen hatte.
Da Kigali auf mehreren Hügeln gebaut wurde, sind die Motorräder oft sogar die schnellste Möglichkeit, sich fortzubewegen.
Im Zentrum kann man allerdings auch vieles problemlos zu Fuß erkunden.
Ein Spaziergang durch Kigali
Von meiner Unterkunft bestelle ich mir ein Taxi über VW Move und lasse mich zur Biryogo Car-Free Zone bringen. Ich finde, das ist der perfekte Ausgangspunkt, um Kigali zu Fuß zu erkunden.
Die bunt bemalte Fußgängerzone wirkt lebendig aber gleichzeitig angenehm entspannt. Zwischen kleinen Cafés, Restaurants und Streetfood-Ständen herrscht schon am frühen Nachmittag reges Treiben. Wer Hunger hat, wird hier garantiert fündig – und das auch sehr günstig.

Von dort schlendere ich gemütlich weiter Richtung Innenstadt.
Mein nächstes Ziel ist das große Kigali Sign, eines der bekanntesten Fotomotive der Stadt. Rundherum gibt es zahlreiche kleine Kunsthandwerks- und Souvenirläden, in denen man stöbern kann.

Anschließend geht es für mich weiter zum Hôtel des Mille Collines. Äußerlich wirkt es wie ein ganz normales Hotel und das ist es natürlich auch. Seine Geschichte macht es allerdings zu einem der bedeutendsten Orte der Stadt.
Während des Völkermords in Ruanda im Jahr 1994 bot der damalige Hotelmanager mehr als 1.200 Menschen Zuflucht und rettete ihnen damit das Leben. Weltweit bekannt wurde das Hotel später durch den Film Hotel Rwanda. Ein Ort, der einen noch lange beschäftigt.

Der Kimironko Market
Zum Abschluss meines Tages lasse ich mich noch zum Kimironko Market bringen – dem größten und wohl lebendigsten Markt Kigalis. Zwischen den engen Gängen stapeln sich Obst und Gemüse, Gewürze, Stoffe, Kleidung und Haushaltswaren.
Ich schlendere eine Weile zwischen den Ständen hindurch und beobachte das bunte Treiben, bevor ich mich langsam wieder auf den Rückweg mache.
Warum Kigali mich so beeindruckt hat
Was mich an Kigali aber vermutlich am meisten überrascht hat, ist nicht der Markt oder eine bestimmte Sehenswürdigkeit.
Es ist die Atmosphäre.
Vor meiner Reise hatte ich immer wieder gelesen, Kigali sei die sauberste Stadt Afrikas. Nach zwei Tagen hier kann ich das absolut nachvollziehen. Nirgendwo liegt Müll am Straßenrand. Die Straßen sind gepflegt und überall gibt es gepflegte Grünflächen.
Ein Grund dafür sind die strengen Umweltgesetze des Landes. Einwegplastik ist in Ruanda verboten und genau das hat mir Ruanda schon vor der Reise so besonders und sympathisch gemacht. Ruanda gilt weltweit als Vorreiter beim Thema Umweltschutz. Bereits 2008 wurden nicht biologisch abbaubare Plastiktüten und Verpackungen verboten. Schon bei der Einreise werden Taschen deshalb stichprobenartig kontrolliert, damit kein Plastik ins Land gelangt.
Beim Einkaufen bekommt man stattdessen Papiertüten oder andere nachhaltige Verpackungen. Lebensmittel werden häufig in Bananenblätter eingewickelt und schon in Schulen lernen Kinder früh, warum Umweltschutz so wichtig ist.
Ich muss ehrlich sagen: Genau das macht Ruanda für mich unglaublich sympathisch.

Begegnungen, die bleiben
Mindestens genauso positiv wie die Stadt selbst bleiben mir aber ihre Menschen in Erinnerung.
Während meines Spaziergangs komme ich an einer Schule vorbei, gerade als der Unterricht endet.
Ein Junge spricht mich neugierig an und möchte wissen, woher ich komme. Wir unterhalten uns eine kleine Weile solange wir in dieselbe Richtung laufen – zumindest so gut es mein schlechtes Französisch zulässt.
Später erzählt mir eine Mitarbeiterin meiner Unterkunft von ihrem Alltag in Kigali und kümmert sich während meines Aufenthalts unglaublich herzlich um mich.
Selbst an der Supermarktkasse komme ich noch mit der Kassiererin ins Gespräch. Als sie meinen Einkauf sieht – jede Menge Chapati und Kaffee – müssen wir beide lachen. Wir unterhalten uns darüber, wie gerne wir Chapati essen und ob es das eigentlich auch in Deutschland gibt.
Es ist nur ein kurzes Gespräch, aber genau solche Begegnungen sorgen dafür, dass ich mich hier vom ersten Moment an willkommen fühle.

Abschied von Ruanda
Viel zu schnell ist mein letzter Reisetag vorbei.
Am Abend bestelle ich mir noch einmal ein Taxi über eine der Apps und mache mich auf den Weg zum Flughafen. Falls ihr das ebenfalls plant, solltet ihr übrigens wissen, dass zusätzlich zum Fahrpreis noch eine Parkgebühr von 3.000 RWF anfällt – selbst dann, wenn ihr nur kurz am Terminal abgesetzt werdet.
Bevor mein Flug geht, gönne ich mir noch ein Glas Urwagwa – das traditionelle Bananenbier Ruandas. Probieren wollte ich es unbedingt. Mein Fall war es allerdings ehrlich gesagt nicht.
Mein Fazit
Viele Reisende verbringen in Kigali nur eine Nacht, bevor es weiter zum Gorilla-Trekking geht.
Ich würde jederzeit empfehlen, der Stadt mindestens zwei Tage zu geben.
Nicht, weil Kigali mit spektakulären Sehenswürdigkeiten beeindruckt.
Sondern weil es eine Stadt ist, in der man sich unglaublich schnell wohlfühlt.
Kigali wirkt modern, sauber und hervorragend organisiert. Gleichzeitig begegnet man überall dem alltäglichen Leben Ruandas: Frauen, die schwere Lasten auf ihren Köpfen tragen, kleine Straßenstände am Straßenrand oder Kinder, die einem neugierig entgegenlächeln.
Genau diese Mischung hat mich begeistert.
Nach einem der emotionalsten Erlebnisse meiner bisherigen Reisen hätte ich mir keinen besseren Ort vorstellen können, um diese Reise langsam ausklingen zu lassen.
Als das Flugzeug schließlich in den Nachthimmel abhebt, weiß ich nur eines ganz sicher:
Ostafrika – wir sehen uns wieder. Da bin ich mir ganz sicher.

