Es gibt diese Reisen, von denen man jahrelang träumt und bei denen man sich irgendwann fast damit abfindet, dass sie wahrscheinlich nie passieren werden. Genau so ging es mir mit dem Gorilla-Trekking in Uganda.
Seit Jahren steht es auf meiner Bucket List. Nicht weil die Anreise kompliziert wäre – sondern weil die Permits mit 800 US-Dollar alles andere als günstig sind. Lange Zeit war das für mich eher ein Traum für “irgendwann mal”. Und plötzlich sitze ich tatsächlich im Flugzeug von Nairobi nach Ruanda.
Ich lande mittags am Flughafen von Kigali. Da ich wusste, dass ich sowohl durch Ruanda als auch Uganda reisen würde, hatte ich mir bereits vorab das East African Visa beantragt. Das erspart einem den Papierkram an den Grenzen und macht die Einreise deutlich entspannter.
Für die Fahrt vom Flughafen zu meiner Unterkunft hatte ich vorsichtshalber einen Shuttle gebucht. Mit 20 US-Dollar zwar nicht gerade günstig, aber wenn ich alleine in einem neuen Land ankomme, zahle ich für dieses Gefühl von Sicherheit gerne etwas mehr.
Meine Unterkunft für die nächsten zwei Nächte ist die Eagle View Lodge. Ausschlaggebend war eigentlich nur ein einziges Foto: die Aussicht. Und die enttäuscht wirklich nicht.

Schon beim Einchecken fällt mir auf, wie liebevoll die Lodge eingerichtet ist. Alles wirkt modern, gemütlich und unglaublich stilvoll. Das eigentliche Highlight wartet allerdings draußen auf der Terrasse. Von hier aus liegt mir Kigali zu Füßen. Die Stadt zieht sich über unzählige grüne Hügel – ein wunderschöner erster Eindruck von Ruanda.
Auch wenn viele Kigali wahrscheinlich nur als Zwischenstopp für das Gorilla-Trekking sehen, lohnt es sich definitiv, hier etwas Zeit einzuplanen. Ich habe zwei volle Tage in der Stadt verbracht, bevor mein eigentliches Abenteuer beginnen sollte.
Endlich geht es Richtung Uganda
Nach einem fantastischen Frühstück mit dieser unglaublichen Aussicht steht mein Fahrer bereits vor der Lodge. Punkt acht Uhr geht es los Richtung Bwindi Impenetrable National Park.
Zwischen Kigali und dem Nationalpark liegen gerade einmal rund 160 Kilometer, aber noch ahne ich nicht, dass wir für diese Strecke fast sechs Stunden brauchen werden.
In Ruanda gelten strenge Geschwindigkeitsbegrenzungen, die auch konsequent kontrolliert werden. Mein Fahrer hält sich penibel daran und so geht es gemächlich durch die immer hügeliger werdende Landschaft.
Je weiter wir Kigali hinter uns lassen, desto mehr fällt mir etwas auf, das ich bisher in keinem anderen afrikanischen Land gesehen habe: Fahrräder. Überall.
Nicht vereinzelt, sondern dutzendweise.
Fast alle Fahrer transportieren riesige silberne Milchkannen auf ihren Gepäckträgern. Teilweise gleich mehrere gleichzeitig. Während wir langsam an ihnen vorbeifahren, frage ich meinen Fahrer danach.
Er erklärt mir, dass viele Kleinbauern ihre frische Milch täglich mit dem Fahrrad zu Sammelstellen oder Molkereien bringen. Manche transportieren dabei mehr als 100 Liter Milch über die steilen Hügel Ruandas. Erst jetzt verstehe ich wirklich, warum Ruanda auch das “Land der tausend Hügel” genannt wird. Ich kann kaum glauben, wie sie diese Last überhaupt bewegen können.


Ein Grenzübertritt mit kleiner Überraschung
Nach ungefähr vier Stunden erreichen wir die Grenze nach Uganda. Vor dem Grenzübergang schlängelt sich bereits eine lange Warteschlange. Also heißt es erstmal: warten.
Als ich schließlich an der Reihe bin, gibt es direkt das nächste kleine Problem.
Am Flughafen in Kigali wurde mein Visum zwar eingeklebt, aber offenbar vergessen, offiziell abzustempeln. Bis mir überhaupt jemand erklärt, was das Problem ist, vergeht gefühlt eine halbe Stunde. Statt einer Erklärung werde ich einfach von einem Grenzbeamten zum nächsten geschickt. Irgendwie scheint niemand so recht zu wissen, wer eigentlich zuständig ist.
Schließlich muss ich noch einmal zurück zur ruandischen Einreise, wo mir der fehlende Stempel zum Glück ohne großes Drama nachträglich gegeben wird. Wenige Minuten später halte ich dann endlich auch den Einreisestempel für Uganda in der Hand.
Während wir noch an der Grenze stehen, zieht plötzlich der Himmel zu. Innerhalb weniger Minuten beginnt es so heftig zu regnen, dass man kaum noch etwas erkennen kann. Der Regen prasselt so laut auf das Wellblechdach des Grenzhäuschens, dass man sein eigenes Wort kaum noch versteht.
Wenn das schon die kleine Regenzeit sein soll, möchte ich ehrlich gesagt gar nicht wissen, wie die richtige Regenzeit aussieht.
Insgeheim hoffe ich nur, dass der Wettergott morgen ein Einsehen mit mir hat.

Erste Blicke auf den Bwindi Forest
Hinter der Grenze ändert sich sofort einiges.
In Ruanda fährt man auf der rechten Straßenseite, doch kaum haben wir die Grenze überquert, wird plötzlich links gefahren. Meinen Fahrer bringt das überhaupt nicht aus der Ruhe. Außerdem gibt es hier keine Geschwindigkeitsbegrenzung mehr und er traut sich endlich, etwas mehr aufs Gas zu drücken.


Auch die Landschaft verändert sich langsam. Die Fahrradfahrer verschwinden, die Straßen werden schmaler, kurviger und deutlich holpriger. Es geht immer weiter hinauf in die Berge.
Und dann taucht er zum ersten Mal vor mir auf. Der Bwindi Impenetrable Forest.
Ein dichter, dunkelgrüner Bergregenwald, der zu den letzten Rückzugsorten der Berggorillas gehört. Genau dort werde ich morgen hoffentlich einem der seltensten Tiere der Welt gegenüberstehen.
Allein bei dem Gedanken bekomme ich Gänsehaut.
Eine Lodge mit Aussicht und ganz viel Vorfreude
Gegen 15 Uhr erreichen wir schließlich die Havens Lodge.
Die Unterkunft besteht aus zahlreichen kleinen Cottages, die sich den Hang entlangziehen. Jeder Gast bewohnt sein eigenes kleines Häuschen. Von meiner Terrasse blicke ich direkt über den endlosen Regenwald und die langsam vorbeiziehenden Wolken.



Eigentlich könnte ich hier stundenlang einfach nur sitzen.
Der Regen prasselt inzwischen wieder auf das Dach meiner Hütte, während sich Nebelschwaden langsam durch die grünen Hügel schieben. Morgen werde ich genau dort unten unterwegs sein.
Beim Abendessen sitzen alle Gäste gemeinsam mit ihren Guides an einem Tisch. Das hatte ich so bisher noch nie erlebt, gefällt mir aber irgendwie. Auch wenn mein Guide eher zu den ruhigen Menschen gehört und unsere Unterhaltung entsprechend überschaubar bleibt.

Als ich später in mein Zimmer zurückkomme, wartet dort die nächste kleine Überraschung auf mich. Jemand hat mir eine Wärmflasche unter die Bettdecke gelegt. Es sind genau diese kleinen Gesten, die einen Aufenthalt am Ende unvergesslich machen. Denn auch wenn tagsüber tropisches Klima herrscht, können die Nächte hier oben im Regenwald überraschend kühl werden.
Ich kuschle mich unter die warme Decke, lausche dem Regen auf dem Dach und kann kaum glauben, dass morgen tatsächlich der Tag gekommen ist, auf den ich so viele Jahre gewartet habe.
Morgen geht ein Traum in Erfüllung.
Wie das Gorilla-Trekking im Bwindi Impenetrable National Park abläuft und wie sich eine Stunde mit den letzten Berggorillas der Welt anfühlt, erzähle ich euch im nächsten Teil.




