Bootstour auf Spitzbergen: Eisbären, Packeis & Pyramiden

Auf Spitzbergen lernt man schnell, Pläne nicht allzu ernst zu nehmen. Wetter, Eis und die arktische Natur entscheiden hier oft selbst darüber, was möglich ist – und was nicht. Nachdem bereits meine Tour am Vortag kurzfristig abgesagt wurde, trifft es nun auch meine geplante Hiking-Tour am dritten Tag auf Svalbard. Also stehe ich erneut vor der Frage: Was tun mit einem freien Tag in Longyearbyen?

Die Antwort kommt spontan – und wird am Ende zu einem der beeindruckendsten Erlebnisse meiner Reise: Ich will nochmal hinaus aufs Meer und buche erneut eine Bootstour – diesmal durch den Billefjord zum Nordenskiöld-Gletscher und der verlassenen russischen Siedlung Pyramiden (mit Henningsen Transport and Guiding).

Durch den Billefjord Richtung Pyramiden

Schon am Morgen nehmen wir Kurs auf den Billefjord, den Nordenskiöld-Gletscher und schließlich Pyramiden. Da die Temperaturen seit dem Vortag deutlich milder geworden sind, haben sich die dicken Eisschollen im Hafen größtenteils gelöst und wir kommen wesentlich schneller voran als noch am Tag zuvor.

Die Tour ist mit etwa elf Stunden angesetzt und führt entlang des beeindruckenden Billefjords bis zum Nordenskiöld-Gletscher sowie – je nach Wetter- und Eisbedingungen – weiter nach Pyramiden.

Vielleicht fragt ihr euch jetzt, ob es auf so einer langen Bootsfahrt irgendwann langweilig wird. Aber keine Sorge: Wenn man ständig die Natur beobachtet und nach Wildtieren Ausschau hält, vergeht die Zeit erstaunlich schnell.

Da wir Anfang Mai unterwegs sind, stehen die Chancen gut, dass wir es tatsächlich bis nach Pyramiden schaffen.

Spitzbergen zeigt sich an diesem Tag von seiner schönsten Seite.
Das Sonnendeck wird schnell zum besten Platz an Bord.

Zwischen Eisbergen, Walrossen und Gletschern

Während der Fahrt versorgt uns ein Guide immer wieder mit spannenden Informationen über Svalbards Geschichte, die arktische Tierwelt und die gewaltigen Gletscher der Region.

Wenn es draußen nicht zu kalt ist, kann man problemlos stundenlang auf dem Sonnendeck verbringen und die ständig wechselnde Landschaft bestaunen. Und wenn einem doch irgendwann die Finger einfrieren, geht man eben kurz hinein, wärmt sich bei einem Tee auf und steht wenige Minuten später wieder draußen mit der Kamera in der Hand.

Bei Sonnenschein sieht die arktische Landschaft noch einmal völlig anders aus als am Vortag.

Die raue Schönheit des Billefjords.

 

Spannende Vorträge an Bord

Mehrmals während der Tour ruft uns der lokale Guide entweder nach draußen aufs Deck oder in den Innenbereich des Schiffes, um kleine Vorträge über Spitzbergen, die Gletscherlandschaften und die Tierwelt der Arktis zu halten.

Die Teilnahme daran ist natürlich freiwillig, aber ich kann es nur empfehlen. Die Vorträge sind interessant und geben einen spannenden Einblick in das Leben und die Natur Svalbards.

Und manchmal kommt plötzlich die Durchsage, auf die vermutlich alle warten:

Draußen wurde ein Tier entdeckt.

Die Crew und der Kapitän erspähen Walrosse oder andere Tiere meist deutlich früher als wir Passagiere. Sobald eine entsprechende Durchsage kommt, sollte man den Tee, die Waffeln oder das warme Plätzchen im Inneren des Schiffes sofort liegen lassen und schnell nach draußen rennen.

Denn die Tiere, die man hier in freier Wildbahn beobachten kann, sind einfach beeindruckend.

Dicke Eisschollen bremsen unsere Fahrt Richtung Pyramiden aus.

Festgefahren im Packeis

Wir fahren immer tiefer in den Billefjord hinein. Das Eis wird dichter und dichter, während der Kapitän versucht, sich vorsichtig zwischen den Eisschollen hindurchzuschlängeln.

Doch plötzlich geht nichts mehr.

Der Kapitän legt den Rückwärtsgang ein – aber wir bewegen uns keinen Zentimeter. Noch ein Versuch nach vorne, dann nach links und rechts. Wieder nichts. Packeis. Wir stecken fest.

Rund um uns treiben dicke Eisschollen im Wasser und langsam macht sich an Bord eine gewisse Anspannung breit. Nach einer halben Stunde erfolgloser Versuche frage ich mich bereits, ob wir am Ende sogar auf einen Eisbrecher warten müssen.

Doch der Kapitän bleibt hartnäckig. Und irgendwann zahlt sich die Geduld tatsächlich aus: Zentimeter für Zentimeter befreit sich das Schiff wieder aus dem Eis.

Schnell wird jedoch klar, dass wir es an diesem Tag nicht mehr bis nach Pyramiden schaffen werden. Also drehen wir ab und nehmen Kurs zurück Richtung Longyearbyen.

Durch das Packeis Richtung Pyramiden.
Je weiter wir in den Billefjord fahren, desto dichter wird das Packeis.
Festgefahren im Packeis des Billefjords.

Begegnung mit dem König der Arktis

Gegen Ende der Tour haben wir schließlich unglaubliches Glück: Wir entdecken tatsächlich einen Eisbären.

Der Kapitän erkennt zunächst nur einen kleinen gelblichen Punkt am Berghang etwa 500 Meter entfernt. Und ja – Eisbären sind tatsächlich eher gelblich als strahlend weiß und dadurch überraschend gut in der Landschaft zu erkennen.

Als klar wird, dass es wirklich ein Eisbär ist, greift plötzlich jeder hektisch nach Kamera, Fernglas oder Teleobjektiv und stürmt hinaus aufs Deck.

Langsam versucht sich das Boot dem Tier vorsichtig zu nähern, ohne den Eisbären oder andere Tiere zu stören. Und dann steht er plötzlich dort – mitten in der arktischen Wildnis.

Langsam verschwindet der Eisbär wieder zwischen Schnee, Eis und Felsen, bis er irgendwann nur noch ein kleiner gelblicher Punkt in der arktischen Weite ist.

Zu beobachten, wie der Eisbär durch den Schnee wandert, sich aufrichtet oder vorsichtig über die wackelnden Eisschollen läuft, war ohne Zweifel einer der beeindruckendsten Momente meiner gesamten Reise.

Begegnung mit dem König der Arktis.
Ein Eisbär in freier Wildbahn – ein unvergesslicher Augenblick.

Ein perfekter Abschluss auf Spitzbergen

Als wir am Abend nach rund elf Stunden zurück in Longyearbyen ankommen, bin ich noch immer völlig überwältigt von diesem Tag.

Gewaltige Gletscher, treibendes Packeis, Walrosse – und schließlich tatsächlich ein wilder Eisbär mitten in der arktischen Landschaft.

Zwar haben wir es wegen des Packeises nicht bis nach Pyramiden geschafft – aber das spielt längst keine Rolle mehr. Die Landschaft bei blauem Himmel wirkte noch einmal vollkommen anders als am Vortag und war einfach unbeschreiblich schön.

Und dann haben wir am Ende tatsächlich auch noch einen Eisbären in freier Wildbahn gesehen.

Mehr Spitzbergen geht wahrscheinlich kaum.

Gewaltige Gletscher, treibendes Packeis, Walrosse – und schließlich tatsächlich ein wilder Eisbär mitten in der arktischen Landschaft.

Abendstimmung auf Spitzbergen.

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