Die Masai Mara war für mich schon immer ein Sehnsuchtsort. Jahrelang hatte ich die Tierwelt der Mara nur aus Dokumentationen gekannt. Ich hatte Löwen durch die goldenen Savannen streifen sehen, tausende Gnus während der Great Migration den Mara River durchqueren sehen und die Landschaft aus „Jenseits von Afrika“ bewundert. Dazu kamen die Reisefotos meiner Schwester, auf denen Löwenbabys neugierig am Safarijeep hochklettern.
Und jetzt war ich tatsächlich auf dem Weg dorthin.
Aufbruch zu Kenias berühmtester Safari
Nach meinem Aufenthalt im Amboseli klingelt der Wecker an diesem Morgen erbarmungslos früh.
Um 6:30 Uhr werde ich vor meinem Hotel abgeholt und zu einem Büro in Nairobi gebracht. Dort warten bereits dutzende Safari-Jeeps auf ihre Gäste.
Diesmal habe ich deutlich mehr Glück als im Amboseli. Statt einer schweigsamen Gruppe lande ich in einem Jeep mit mehreren englischsprachigen Reisenden und schon nach kurzer Zeit wird klar, dass die nächsten Tage ziemlich lustig werden.
Das Great Rift Valley und die letzte ruhige Straße
Auf dem Weg zur Masai Mara halten wir zunächst am Great Rift Valley Viewpoint.
Von hier oben reicht der Blick kilometerweit über das gewaltige Rift Valley. Natürlich halten wir – wie jeder andere Safari-Anbieter auch – anschließend noch an einer riesigen Souvenirhalle.

Die Strecke zur Masai Mara beträgt eigentlich nur rund 270 Kilometer.
In Deutschland wäre das keine große Sache. Doch je näher wir der abgelegenen Wildnis der Masai Mara kommen, desto holpriger wird die Fahrt. Die geteerten Straßen werden weniger, die Schlaglöcher mehr und irgendwann werden wir nur noch kräftig durchgeschüttelt.
Nach rund sechs Stunden erreichen wir schließlich gegen Mittag unser Camp.
Endlich in der Masai Mara
Das Camp ist deutlich einfacher als meine Unterkunft im Amboseli, aber trotzdem gemütlich. Besonders kreativ finde ich die Konstruktion für das warme Wasser. In einer großen Tonne wird Wasser über einem Feuer erhitzt und anschließend in die Duschen der unterschiedlichen Zelte geleitet. Afrikanische Ingenieurskunst.



Nach dem Mittagessen bleibt kurz Zeit zum Entspannen, bevor es am Nachmittag endlich losgeht: Mein erster Game Drive in der Masai Mara.
Schon wenige Minuten nach dem Parkeingang wird mir klar, warum dieser Ort so berühmt ist.

Die Landschaft scheint kein Ende zu haben.
Seit Jahren hatte ich Bilder dieser Landschaft im Kopf: die weiten Ebenen, die Akazien, die Great Migration aus den Tierdokumentationen und den Film „Jenseits von Afrika“.
Und trotzdem übertrifft die Realität jede Vorstellung.

Wie finden die Guides eigentlich all diese Tiere?
Während wir durch die Savanne fahren, rauscht ständig das Funkgerät unseres Guides. Wie schon im Amboseli tauschen die Fahrer permanent Informationen über Sichtungen aus.
Doch hier frage ich mich ernsthaft, wie das überhaupt funktionieren soll. Die Masai Mara wirkt unendlich und es gibt keine Straßen oder offensichtliche Orientierungspunkte.
Ich frage also unseren Guide, wie sie sich hier überhaupt verständigen. Er lacht und erklärt, dass die Mara in verschiedene Bereiche aufgeteilt ist und die Fahrer genau wissen, welche Orte gemeint sind.
Offenbar funktioniert das hervorragend, denn schon kurz darauf finden wir unsere ersten spektakulären Tiere.

Vier der Big Five am ersten Tag
Anders als im Amboseli darf man in der Masai Mara teilweise querfeldein fahren. Das sorgt für ein ganz anderes Safari-Feeling.
Unser erstes Highlight ist ein Gepard. Majestätisch sitzt er auf einem kleinen Hügel und blickt über die Savanne, als würde er für ein Fotoshooting posieren.



Später entdecken wir ein Nashorn, das tief im Gebüsch steht. Nashörner gehören zu den schwierigsten Tieren der Big Five und viele Besucher sehen während ihrer gesamten Safari keines und wir sehen bereits am ersten Nachmittag eins.
Dazu kommen zahlreiche Löwinnen, Elefanten und Büffel.

Als die Sonne langsam untergeht, taucht sie die Savanne in ein tiefes Rot. Ich sitze einfach nur da, starre aus dem Jeep und kann kaum glauben, dass ich tatsächlich hier bin und all das erleben darf.
Als wir am Abend zurück ins Camp fahren, haben wir bereits vier der Big Five gesehen und ich kann mein Glück kaum fassen.

Der Leopard macht die Big Five komplett
Am nächsten Morgen klingelt der Wecker schon wieder viel zu früh. Obwohl mein Bett nicht gerade das bequemste ist, fällt das Aufstehen schwer. Vor allem weil es im Zelt überraschend kalt ist. Manchmal vergesse ich, wie frisch die Nächte in Afrika sein können.
Nach dem Frühstück geht es zurück in den Nationalpark.
Es dauert nicht lange, bis die Meldung über Funk kommt: Ein Leopard wurde gesichtet.
Sofort macht sich unser Guide auf den Weg. Als wir ankommen, stehen bereits dutzende Fahrzeuge um eine Buschgruppe herum. Zunächst sehe ich gar nichts. Doch dann entdecke ich ihn.
Tief im Gebüsch verborgen liegt ein Leopard. Lange beobachtet er die Jeeps genauso aufmerksam, wie wir ihn beobachten.
Lange passiert nichts und dann steht er plötzlich auf. Langsam läuft er den kleinen Bach entlang und direkt an unserem Jeep vorbei. Keine zehn Meter entfernt.
Damit haben wir sie komplett: Die Big Five.
Noch vor dem Mittagessen.







Die Ugly Five
Neben den Big Five gibt es übrigens auch die sogenannten Ugly Five: Hyäne, Gnu, Marabu, Geier und Warzenschwein.
Wobei ich diese Einteilung ehrlich gesagt etwas unfair finde. Vor allem Warzenschweine (ich nenne sie lieber Pumas) gehören doch eher in die Kategorie „unglaublich süß“.
Während unseres Mittagspicknicks sorgen vor allem die Marabus für Unterhaltung. Die riesigen Vögel kommen den Touristen erschreckend nah und hoffen nur darauf, irgendwo Essen zu ergattern – oder es direkt zu stehlen.
Löwen überall
Was die Masai Mara so besonders macht, ist die schiere Menge an Tieren. Hier eine Giraffe, dort eine Herde Zebras, weiter hinten Elefanten. Und immer wieder Löwen.
So viele Löwen, dass irgendwann tatsächlich der Gedanke aufkommt: „Ach, schon wieder ein Löwe.“
Natürlich nur für eine Sekunde, denn jede Sichtung ist anders.




Am Nachmittag beobachten wir mehrere Löwinnen bei ihrer Beute und ich frage unseren Guide, was sie erlegt haben.
Seine Antwort bricht mir kurz das Herz: Ein Baby-Pumba.
Mein Gesichtsausdruck verdunkelt sich vermutlich sofort, denn unser Guide muss lachen.
Halb im Spaß frage ich ihn, warum ein ganzes Rudel Löwinnen für so einen kleinen Snack überhaupt auf die Jagd geht. „Starter“, antwortet er humorvoll.
In einiger Entfernung warten bereits Hyänen darauf, dass vielleicht etwas für sie übrig bleibt. Viel Hoffnung würde ich ihnen allerdings nicht machen.


Ein Nashorn im Vollsprint
Als wir am späten Nachmittag Richtung Ausgang fahren, entdecken wir einen sich schnell bewegenden Punkt in der Ferne.
Unser Guide hält an und greift zum Fernglas.
Ein Nashorn.
Zwar viel zu weit entfernt für spektakuläre Fotos aber dafür galoppiert es gefühlt eine Ewigkeit parallel zu unserem Jeep durch die Savanne. Man konnte das Nashorn wirklich nicht besonders gut erkennen und trotzdem ist es einer dieser Momente, die mir bis heute im Gedächtnis geblieben sind.
Mein Sehnsuchtsort hat mich nicht enttäuscht
Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen.
Während wir zurück nach Nairobi fahren, schaue ich noch einmal auf die vorbeiziehende Landschaft.
Die Masai Mara war über viele Jahre ein Sehnsuchtsort für mich und sie hat mich keine Sekunde lang enttäuscht.
Die unglaubliche Weite, die enorme Tierdichte und die Möglichkeit, die Big Five innerhalb weniger Tage zu sehen, machen diesen Nationalpark zu einem der beeindruckendsten Safari-Ziele der Welt.
Der Abschied von Kenia fällt mir überraschend schwer aber zum Glück ist meine Reise noch nicht vorbei. Als Nächstes warten Ruanda und Uganda auf mich.
Als ich später am Flughafen eine Durchsage höre, die mit den Worten „Keep on Smiling“ endet, muss ich lächeln.
Hakuna Matata.
Kenia, du warst ziemlich großartig.











