Wer die Victoriafälle besucht, stolpert früher oder später über dieselbe Empfehlung: Mach unbedingt einen Tagesausflug in den Chobe Nationalpark in Botswana. Und tatsächlich liegt das nahe. Der Nationalpark befindet sich nur rund 100 Kilometer von Victoria Falls entfernt und beherbergt die größte Elefantenpopulation der Welt.
Natürlich wäre Botswana auch ein großartiges Reiseziel für eine längere Reise. Wer nach den Victoriafällen aber nur wenig Zeit hat, für den ist ein Tagesausflug nach Chobe eine unkomplizierte Möglichkeit, eine Safari zu erleben.
Früh am Morgen geht es nach Botswana
Um Punkt 7 Uhr werde ich von meinem Hotel in Victoria Falls abgeholt. Mein Anbieter für den Tagesausflug ist Fuhara Safaris. Während der Fahrt erfahre ich, dass viele der anderen Teilnehmer aus Simbabwe stammen und ihren Urlaub in Victoria Falls verbringen.
Die Straße Richtung Botswana ist hervorragend ausgebaut und die Fahrt bis zur Grenze dauert etwa eine Stunde. Unser Fahrer erzählt unterwegs, dass man mit etwas Glück sogar entlang der Straße schon Wildtiere oder Löwen entdecken kann. So viel Glück haben wir leider nicht. Außer ein paar Antilopen bleibt die Strecke ruhig.
Grenzübertritt in Kazungula
An der Grenze wird schnell klar, wie beliebt diese Tour ist. Vor den Schaltern haben sich bereits lange Schlangen gebildet und gefühlt 80% der Reisenden scheint auf dem Weg in den Chobe Nationalpark zu sein.
Die eigentlichen Grenzformalitäten sind unkompliziert und gehen schnell. Am längsten dauert das Warten. Neu für mich war, dass man an der Grenze die Schuhe desinfizieren muss. Der Guide achtet penibel darauf, dass jeder seine Schuhe durch das Desinfektionsbad zieht.
Kurz darauf bin ich in Botswana.
Kazungula selbst ist ein faszinierender Ort. Hier treffen Botswana, Sambia, Simbabwe und Namibia aufeinander. Außerdem mündet hier der Chobe River in den mächtigen Sambesi.
Hinter der Grenze wechseln wir das Fahrzeug und steigen in einen offenen Safari-Jeep um. Unser Fahrer aus Simbabwe verabschiedet sich und versichert uns, dass er am Nachmittag wieder auf uns warten wird.

Safari im Chobe Nationalpark
Die meisten Tagesausflüge folgen demselben Ablauf: Am Vormittag steht ein Game Drive im Nationalpark auf dem Programm, mittags ein Buffet in einer Lodge am Fluss und nachmittags eine Bootssafari auf dem Chobe River.
Nur wenige Minuten nachdem wir das Eingangstor passiert haben, befinden wir uns bereits mitten in der Wildnis. Staubige Ebenen, dichte Büsche und die ersten Tiere am Horizont.


Zunächst sehen wir nur einige Antilopen und ein paar Krokodile am Flussufer. Ehrlich gesagt frage ich mich schon, wo sich die angeblich riesige Elefantenpopulation versteckt.
Dann passiert es plötzlich.
Wie aus dem Nichts taucht eine ganze Kolonne Elefanten aus dem Busch auf und überquert direkt vor uns die Straße Richtung Fluss. Ab diesem Moment sehe ich sie überall: beim Trinken am Ufer, beim Baden im Wasser oder gemütlich zwischen den Bäumen.
Allein für diese Begegnungen hat sich die Tour bereits gelohnt.

Zwischendurch legen wir am Fluss einen kurzen Stopp für Erfrischungen ein. Es gibt allerdings auch längere Abschnitte, in denen wir scheinbar endlos durch den Park fahren, ohne ein einziges Tier zu entdecken. Das war ich von meinen Safaris in Kenia ehrlich gesagt nicht gewohnt.
Dann wird es plötzlich hektisch.
Über Funk wird gemeldet, dass Löwen gesichtet wurden. Unser Guide gibt Gas und wenige Minuten später stehen wir mit zahlreichen anderen Fahrzeugen am Rand eines Gebüsches. Tief im Schatten liegen tatsächlich mehrere Löwinnen und lassen sich von den vielen Zuschauern überhaupt nicht beeindrucken.
Erst später erzählt uns unser Guide, wie viel Glück wir hatten. In der gesamten Woche zuvor wurden aufgrund des Wetters keine Löwen gesichtet.


Mittagessen in der Chobe Safari Lodge
Nach dem Game Drive fahren wir direkt zur Chobe Safari Lodge am Flussufer. Viele der Tagestouren machen hier Mittagspause.
Das Buffet überrascht mich positiv. Die Auswahl ist groß, das Essen lecker und sogar die Desserts können sich sehen lassen.
Trotzdem wirkt der Vormittag auf mich etwas gehetzt. Gerade bei den vielen Elefanten am Fluss hätte ich gerne mehr Zeit zum Fotografieren gehabt.
Bootssafari auf dem Chobe River
Nach dem Mittagessen geht es weiter zur Bootssafari.
Der Chobe River gilt als einer der besten Orte Afrikas, um Tiere vom Wasser aus zu beobachten. Der Fluss bildet die Grenze zwischen Botswana und Namibia, sodass wir die gesamte Zeit Namibia auf der gegenüberliegenden Uferseite sehen.
Die Landschaft ist wunderschön. Besonders die riesigen Felder aus Wasserlilien verleihen dem Fluss eine fast friedliche Atmosphäre.
Mit den Tieren haben wir allerdings weniger Glück.
Wir entdecken ein kleines Krokodil am Ufer und einen Schreiseeadler in einem Baum. Das war es leider fast schon. Dabei sollen sich am Nachmittag normalerweise zahlreiche Tiere zum Trinken und Abkühlen am Fluss versammeln. Auch von den vielen Flusspferden, für die der Chobe bekannt ist, bekommen wir nichts zu Gesicht.
Manchmal ist Safari eben auch Glückssache.




Mein Fazit zum Tagesausflug in den Chobe Nationalpark
Ich wäre gerne länger in Botswana geblieben. Trotzdem ist der Tagesausflug eine ideale Ergänzung für jeden Besuch der Victoriafälle. Dank des KAZA-Visums sind die Grenzformalitäten unkompliziert und die Organisation funktioniert erstaunlich reibungslos.
Ganz ehrlich: Ich war am Ende des Tages trotzdem ein wenig enttäuscht.
Ja, ich habe Elefanten, Antilopen, Krokodile, zahlreiche Vögel und sogar Löwen gesehen. Aber die Tierdichte und Vielfalt konnten für mich nicht mit den Safaris mithalten, die ich zuvor in Kenia erlebt habe.
Natürlich bildet ein Tagesausflug nur einen winzigen Ausschnitt dessen ab, was der Chobe Nationalpark zu bieten hat. Tierbeobachtungen hängen immer von Wetter, Jahreszeit und einer ordentlichen Portion Glück ab.
Ich hatte an diesem Tag einfach etwas weniger Glück als erhofft.
Würde ich die Tour trotzdem empfehlen?
Definitiv. Vor allem, wenn du die Victoriafälle besuchst und nur wenig Zeit hast. Für einen ersten Eindruck von Botswana und die Chance, einige der größten Elefantenherden Afrikas zu erleben, lohnt sich der Ausflug allemal.




