Schaut man sich Grönland auf der Karte an, wird schnell klar, wie gigantisch die größte Insel der Welt wirklich ist. Ein Land voller gewaltiger Fjorde, riesiger Eisberge und farbenfroher Siedlungen, die sich an die felsigen Küsten schmiegen.

Im Sommer taucht die Mitternachtssonne Eis und Fjorde in spektakuläre Farben, während im Winter die Nordlichter über den Himmel tanzen.

Doch was Grönland wirklich so besonders macht, ist nicht nur die Landschaft. Die raue und ungezähmte Natur verändert den Blick auf Schönheit und macht einem bewusst, wie beeindruckend unser Planet eigentlich ist. Eine Reise nach Grönland fühlt sich an wie eine Reise in eine andere Welt – eine Welt, in der die Natur den Rhythmus bestimmt und Traditionen tief verwurzelt sind. Riesige Eisflächen treffen auf zerklüftete Küsten, farbenfrohe Siedlungen schmiegen sich an felsige Küsten, im Winter tanzen die Nordlichter über den arktischen Himmel, während die Mitternachtssonne im Sommer einen ätherischen Glanz verbreitet.

Gleichzeitig ist Grönland bis heute weitgehend vom Massentourismus verschont geblieben und damit ein perfektes Reiseziel für alle, die Einsamkeit, Abenteuer und Authentizität suchen.

Ankunft in Nuuk – Grönlands neue internationale Drehscheibe

Überpünktlich lande ich gegen 11:30 Uhr am nagelneuen internationalen Flughafen von Nuuk.

Kopenhagen ist das Tor nach Grönland – hier beginnt die Reise Richtung Nuuk.
Seit der Eröffnung im November 2024 ist die grönländische Hauptstadt einfacher erreichbar denn je. Nuuk hat damit den Flughafen von Kangerlussuaq als wichtigsten internationalen Verkehrsknotenpunkt Grönlands abgelöst. Direktflüge nach Grönland gibt es aktuell vor allem ab Kopenhagen und Reykjavík.

Schon am Flughafen in Kopenhagen herrscht eine besondere Stimmung: Zur Feier der neuen Flugverbindung gibt es sogar Kaffee und Kuchen für die Passagiere.

Nach etwa fünf Stunden Flug lande ich schließlich in der arktischen Hauptstadt.

Da ich wie immer nur mit kleinem Handgepäck reise, bin ich schnell draußen und atme zum ersten Mal die frische arktische Luft Grönlands ein.

Der Anflug auf Grönland gehört zu den spektakulärsten Flugrouten Europas.
Der Anflug auf Grönland gehört zu den spektakulärsten Flugrouten Europas.

Mit dem Bus ins Zentrum von Nuuk

Vom Flughafen fährt stündlich die Buslinie 3 ins Zentrum von Nuuk. Die Fahrt dauert nur etwa 15 Minuten und kostet 20 Dänische Kronen, die direkt beim Fahrer (nur in bar) bezahlt werden. Alternativ gibt es auch einen Shuttle-Service von Greenland Excursions, der die Hotels der Stadt anfährt aber mit 95 Kronen allerdings deutlich teurer ist.

Die Busfahrt in die Stadt dauert nur etwa 15 Minuten. Ich steige am Nuuk Center aus, einem kleinen Einkaufszentrum mitten in der Stadt.

Für diese Nacht habe ich bewusst kein Hotel gebucht, denn am Abend um 21h werde ich direkt mit der Sarfaq Ittuk, dem Küstenschiff der Arctic Umiaq Line, weiter Richtung Norden fahren.

Bis zur Abfahrt bleibt also noch genug Zeit, um Nuuk zu erkunden.

Nuuk – Kleinste Hauptstadt der Welt?

Mit rund 20.000 Einwohnern wirkt Nuuk erstaunlich überschaubar. Vieles lässt sich bequem zu Fuß entdecken.

Die historische Altstadt liegt direkt an der Küste und ist mit ihren traditionellen bunten Holzhäusern kaum zu verfehlen. Besonders die roten Gebäude rund um den kolonialen Hafen verleihen Nuuk einen ganz eigenen Charme.

Im Sommer starten von hier zahlreiche Bootstouren durch die Fjorde. Verwechseln sollte man den kleinen historischen Hafen allerdings nicht mit dem modernen Industriehafen, von dem die großen Fähren und Versorgungsschiffe ablegen (und ich mit dem Küstenschiff heute Abend).

Entlang der Wasserpromenade laden Picknickbänke zum Verweilen ein. Besonders schön ist der kleine Strand bei der berühmten „Mother of the Sea“-Statue.

Über der Altstadt thront außerdem die Statue von Hans Egede, dem norwegisch-dänischen Missionar und Stadtgründer von Nuuk. Auf dem Weg dorthin kommt man an der markanten roten Holzkirche vorbei, einem der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt.

Erste Eindrücke aus Nuuk mit Blick auf die bunten Häuser und die umliegenden Berge.
Erste Eindrücke aus Nuuk mit Blick auf die bunten Häuser und die umliegenden Berge.
Nuuk verbindet moderne Architektur mit einer beeindruckenden arktischen Kulisse.
Nuuk verbindet moderne Architektur mit einer beeindruckenden arktischen Kulisse.
Straßenkunst in Nuuk vor arktischer Kulisse.
Straßenkunst in Nuuk vor arktischer Kulisse.

Eisbaden in Grönland

Dort begegne ich auch zum ersten Mal einem typisch grönländischen Phänomen: dem Polar Plunge.

Das Wasser rund um Nuuk wird kontinuierlich von schmelzenden Eisbergen und Gletschern gespeist und hat selbst im Sommer oft nur wenige Grad über dem Gefrierpunkt.

Trotzdem springen tatsächlich einige mutige Einheimische ins eiskalte Wasser.

Mutiger Polar Plunge im eiskalten Wasser vor Nuuk.

Spaziergang entlang des Nuuk Boardwalk

Vom historischen Hafen startet außerdem der Nuuk Boardwalk, ein schöner Holzsteg entlang der Küste.

Der Weg führt vorbei an bunten Häusern, kleinen Buchten und Aussichtspunkten bis zum südlichen Ende der Halbinsel. Von hier hat man fantastische Ausblicke auf die umliegenden Fjorde – und mit etwas Glück entdeckt man sogar einen Adler.

Der Nuuk Boardwalk entlang der Küste.

Aussicht vom Nuuk Boardwalk auf Buchten und Fjorde.

Der schönste Aussichtspunkt über Nuuk

Mein absoluter Lieblingsort in Nuuk ist jedoch der Myggedalen Panoramic View.

Der kleine Aufstieg dauert nur wenige Minuten, aber die Aussicht von hier oben ist spektakulär. Vor mir liegen die bunten Häuser der Stadt, die sich entlang der felsigen Küste ziehen, dahinter die Fjorde und Berge Grönlands.

Ich bleibe eine ganze Weile hier oben sitzen und genieße einfach die Ruhe und die Aussicht.

Panoramablick vom Myggedalen über Nuuk.

Warten auf das Küstenschiff

Nachdem ich noch etwas durch die Geschäfte geschlendert bin, Street Art entdeckt und mich im überraschend gut ausgestatteten Supermarkt mit Proviant eingedeckt habe, mache ich mich langsam Richtung Hafen auf.

In meiner Vorstellung gibt es dort ein kleines Terminal mit Sitzplätzen und Café.

Die Realität sieht anders aus.

Am Hafen steht lediglich ein winziges Check-in-Häuschen. Also warten wir gemeinsam mit den anderen Passagieren draußen auf dem Parkplatz, bis etwa eine Stunde vor Abfahrt endlich eingecheckt wird.

Reisen in einem Land ohne Straßen

Die Straßen in Nuuk, der Hauptstadt Grönlands, enden innerhalb der Stadtgrenzen. Es gibt keine Straßen, die Nuuk mit anderen Teilen Grönlands verbinden und generell keine Straßen zwischen den einzelnen Städten. Das hat natürlich einen guten Grund.

Mehr als 80 Prozent des Landes sind von Eis bedeckt. Straßen, Bahnlinien oder Fernbusse wären hier kaum realisierbar.

Wie reist man also in einem Land ohne Straßen?

Die Antwort lautet: mit Schiffen und kleinen Propellerflugzeugen.

Eine besonders wichtige Rolle spielt dabei die Sarfaq Ittuk der Arctic Umiaq Line. Sie verbindet einmal pro Woche die Orte entlang der Westküste Grönlands – vom Süden bis hinauf nach Ilulissat in der Diskobucht und wieder zurück.

Für viele Einheimische ist das Schiff eine wichtiges Verkehrsmittel. Deshalb erlebt man an den Häfen oft emotionale Szenen, wenn Familien und Freunde sich verabschieden oder wiedersehen.

Mit der Sarfaq Ittuk Richtung Norden

Wegen der hohen Preise buche ich die günstigste Kategorie an Bord: eine sogenannte Couchette im Schlafsaal (2.527,35 DKK).

Luxuriös ist das definitiv nicht.

Um 21 Uhr legt die Sarfaq Ittuk schließlich ab.

Während draußen langsam die Landschaft vorbeizieht, sitze ich noch eine Weile in der Lounge und beobachte die Fjorde, bevor ich schließlich todmüde in mein Stockbett falle.

Die Sarfaq Ittuk unterwegs entlang der grönländischen Westküste.

Fjordlandschaft während der Fahrt mit der Sarfaq Ittuk.

Küstenlandschaft entlang der Route der Sarfaq Ittuk.

Weite Fjordlandschaft Grönlands vom Schiff aus gesehen.

Blick vom Deck der Sarfaq Ittuk auf die grönländische Küste.

Unterwegs entlang der Westküste Grönlands

Die Nacht wird erwartungsgemäß kurz und wenig komfortabel. Schon gegen 5 Uhr stelle ich mich unter die Dusche, hole mir einen Kaffee und setze mich in den Aufenthaltsbereich.

Schon gegen 7h erreichen wir Maniitsoq.

Wie bei jedem Stopp stelle ich mich rechtzeitig aufs Außendeck, um das Einlaufen in den Hafen zu beobachten.

Maniitsoq gehört mit 2700 Einwohner zu den größeren Städten Grönlands und liegt auf einer Insel, die von hunderten kleineren Inseln umgeben wird.

Gegen 11h erreichen wir Kangaamiut – ein winziger Ort mit nur rund 300 Einwohnern, wunderschön am Eingang des spektakulären Ewigkeitsfjords gelegen.

Am Abend folgt Sisimiut, mit etwa 5000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Grönlands, knapp oberhalb des Polarkreises.

Ankunft in Maniitsoq an der grönländischen Westküste.

Der kleine Ort Kangaamiut am Eingang des Ewigkeitsfjords.

Häuser von Kangaamiut an der Küste.

Blick auf Aasiaat an der grönländischen Westküste.

Landgang in Sisimiut

In Sisimiut haben wir etwa zweieinhalb Stunden Aufenthalt.

Vom Hafen führt die einzige Hauptstraße steil hinauf in die Stadt. Unterwegs komme ich an der ältesten Kirche Grönlands vorbei und erreiche schließlich einen Aussichtspunkt mit Blick über die bunten Häuser, die umliegende Landschaft und den Polarkreis in der Ferne.

Dann geht es zurück an Bord für die zweite und letzte Nacht auf dem Schiff. Ich freue mich schon wenn wir ankommen.

Blick über Sisimiut, die zweitgrößte Stadt Grönlands.

Erste Eisberge in der Diskobucht

Am nächsten Morgen werde ich wieder früh wach, schnappe mir einen Kaffee und eile direkt hinaus aufs Deck.

Und plötzlich sind sie da: die ersten Eisberge.

Zunächst noch klein und vereinzelt, doch je weiter wir Richtung Norden fahren, desto größer und spektakulärer werden sie.

Gegen 8h säumen sich viele bunte Häuser dem Hang entlang und wir erreichen die kleine Stadt Aasiaat am südlichen Ende der Discobucht.

Spätestens ab Aasiaat verwandelt sich die Landschaft komplett. Gewaltige Eisberge treiben durch die Diskobucht und immer mehr Passagiere versammeln sich draußen an Deck, um die gigantischen Eismassen zu bestaunen.

Manchmal übertreibt es die Natur fast mit ihrer Schönheit.

Gigantische Eismassen in der Diskobucht.

Eisberge treiben durch die Diskobucht.
Eisberge unterschiedlicher Größe in der Diskobucht.

Ankunft in Ilulissat

Nach drei Tagen auf dem Küstenschiff erreichen wir um 13h schließlich Ilulissat. Der Vormittag auf dem Schiff war gigantisch aber ich freue mich sehr, es nun wieder verlassen zu dürfen.

Vom Hafen Ilulissat laufe ich den Weg zu meiner Unterkunft und als ich in die Straße meiner Unterkunft abbiege, bleibt mir plötzlich der Mund offen stehen: Direkt am Ende der Straße treiben gigantische Eisberge durch den Fjord.

Meine Unterkunft liegt nur wenige Meter vom Ilulissat-Eisfjord entfernt. Schon draußen hört man das Knacken und Knarzen des Eises.

Ich glaube, schöner und spektakulärer habe ich noch nie gewohnt.

Eisberge direkt vor der Unterkunft in Ilulissat.

Blick auf den Ilulissat-Eisfjord.

Eisberge treiben durch den Fjord bei Ilulissat.

Ilulissat – Die Stadt der Eisberge

Rund 300 Kilometer nördlich des Polarkreises liegt Ilulissat – eine kleine arktische Stadt an der berühmten Diskobucht, die weltweit für ihre gigantischen Eisberge bekannt ist.

Der Name bedeutet in der Sprache Kalaallisut ganz passend: „Eisberge“.

Und tatsächlich scheint sich hier alles um Eis zu drehen.

Der Ilulissat-Eisfjord gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und zählt zu den spektakulärsten Naturwundern Grönlands. Die gigantischen Eisberge stammen vom Sermeq Kujalleq, einem der aktivsten und schnellsten Gletscher der Welt.

Gewaltige Eismassen brechen täglich vom Gletscher ab und treiben anschließend langsam durch den rund 40 Kilometer langen Ilulissat-Eisfjord hinaus in die Diskobucht.

Der Ilulissat-Gletscher wurde 2004 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Täglich fließen Millionen Tonnen Eis durch den Ilulissat-Eisfjord (Kangia) in die Diskobucht und formen gigantische Eisberge, die majestätisch aus dem Wasser ragen. An der Mündung des Fjords stranden viele dieser Giganten, wodurch man die einmalige Möglichkeit hat, ganz nah an den Eisbergen vorbeizufahren und ihre gewaltigen Dimensionen zu bestaunen.

Manche dieser Eisberge ragen über 100 Meter aus dem Wasser und wirken wie schwimmende Hochhäuser aus Eis.

Eisberge von der Größe von Wolkenkratzern treiben durch tiefblaues Wasser, während sich das Licht und die Farben des Himmels im Laufe des Tages ständig verändern. Dazu kommt die kleine arktische Siedlung mit ihrem tief verwurzelten Inuit-Erbe. Genau diese Mischung macht Ilulissat zu einem der spektakulärsten Reiseziele der Welt.

Das Donnern abbrechender Eismassen, das Knacken des Eises und die ständig wechselnden Farben machen diesen Ort absolut einzigartig.

Ilulissat gehört ohne Zweifel zu den beeindruckendsten Orten, die ich je gesehen habe.

Wandern am Ilulissat-Eisfjord

Rund um Ilulissat gibt es mehrere hervorragend markierte Wanderwege entlang des Eisfjords.

Natürlich probiere ich alle aus.

Sermermiut Trail

Die Wanderung nach Sermermiut ist die einfachste Wanderung in Ilulissat und perfekt für alle, die ohne großen Aufwand spektakuläre Ausblicke erleben möchten.

Der Trail beginnt in der Nähe des Icefjord Centers – auch bekannt als der alte Hubschrauberlandeplatz – und führt über einen Holzsteg durch das historisch bedeutende Sermermiut-Tal bis zum Eisfjord. Dank des Boardwalks ist die Strecke sogar rollstuhlgerecht.

Sermermiut war über 4.000 Jahre lang eine wichtige Inuit-Siedlung. Informationstafeln entlang des Weges erzählen von der Geschichte und dem Leben der Menschen in dieser extremen Umgebung.

Schon nach kurzer Zeit eröffnet sich der erste Blick auf den Eisfjord und die gewaltigen Eisberge. Selbst auf dieser kurzen Wanderung wird einem schnell klar, warum Ilulissat zu den beeindruckendsten Orten Grönlands zählt.

Blick auf den Eisfjord entlang des Sermermiut Trails.

Der Holzsteg des Sermermiut Trails durch das historische Tal.

Eisberge vom Sermermiut Trail aus gesehen.

Landschaft entlang des Sermermiut Trails.

Blue Trail – Die schönste Wanderung in Ilulissat

Der Blue Trail gilt als die längste und anspruchsvollste Wanderung rund um Ilulissat – und gleichzeitig auch als die schönste.

Da ich zu diesem Zeitpunkt noch denke, nur wenig Zeit in Ilulissat zu haben, mache ich mich direkt am ersten Tag auf den Weg.

Man kann die Wanderung von beiden Enden aus starten. Ich laufe zunächst entlang der Hauptstraße Richtung Helikopterplatz. Schon der Weg zum eigentlichen Trail ist ein Erlebnis für sich.

Vorbei an riesigen Freigehegen liegen hunderte Schlittenhunde in der Sonne, bellen, jaulen oder schlafen vor ihren kleinen Holzhütten. Dazwischen tollen immer wieder kleine Hundewelpen herum und natürlich mache ich unzählige Fotostopps.

Von dort führt der Weg zunächst wieder über die Holzstege von Sermermiut, bevor der eigentliche Blue Trail beginnt.

Dann wird es deutlich anspruchsvoller.

Der Weg führt links die felsigen Hügel hinauf und verläuft direkt entlang des Eisfjords. Immer wieder eröffnen sich unglaubliche Ausblicke auf die gigantischen Eisberge, die langsam durch den Fjord treiben.

Das Knacken und Bersten des Eises ist selbst aus der Ferne ständig zu hören.

Irgendwann entfernt sich der Weg vom Fjord und führt weiter durch eine raue arktische Landschaft mit kleinen Seen, Felsen und einer engen Schlucht.

Dieser Abschnitt ist zwar landschaftlich wunderschön, aber für meinen Geschmack etwas schlechter markiert als der erste Teil entlang des Eisfjords.

Am Ende der Wanderung erreicht man schließlich das andere Ende der Stadt – erneut vorbei an zahlreichen Schlittenhundezwingern.

Für die gesamte Strecke habe ich mit vielen Fotostopps rund vier Stunden gebraucht.

Blick auf den Eisfjord entlang des Blue Trails.
Schlittenhunde entlang des Weges zum Blue Trail.
Enge Schlucht entlang des Blue Trails.

Yellow Trail – Panoramablicke über den Eisfjord

Am nächsten Morgen mache ich mich direkt auf den Yellow Trail.

Die Wanderung ist deutlich kürzer und einfacher als der Blue Trail, bietet dafür aber fast durchgehend spektakuläre Aussichten auf den Eisfjord.

Man kann die Route entweder am Kraftwerk von Ilulissat oder am Icefjord Center beginnen. Da meine Unterkunft nur wenige Gehminuten vom Kraftwerk entfernt liegt, starte ich die Wanderung dort.

Der Weg ist angenehm zu laufen und kaum steil. Eigentlich begleitet einen die gesamte Zeit ein unglaublicher Blick auf die Diskobucht und die gewaltigen Eisberge.

Immer wieder bleibe ich stehen, um Fotos zu machen oder einfach nur die Landschaft auf mich wirken zu lassen.

Trotz der vielen Stopps brauche ich nur etwa zwei Stunden bis zum Icefjord Center, wo die Wanderung endet.

Panoramablick über die Diskobucht vom Yellow Trail.

Wanderweg des Yellow Trails mit Blick auf den Eisfjord.

Ausblick auf Eisberge vom Yellow Trail.

Das Icefjord Center am Ende des Yellow Trails.

Mitternachtssonne & Eisberge – Icefiord Evening Cruise in der Diskobucht

Nach meiner Rückkehr vom Blue Trail bleibt mir nur wenig Zeit bis zur nächsten Tour des Tages: einer Icefiord Evening Cruise durch die Diskobucht.

Von 21 Uhr bis 23:30 Uhr geht es mit Disco Line hinaus zwischen die gigantischen Eisberge.

Schnell ziehe ich mich in meiner Unterkunft um und laufe anschließend zum Büro von Disco Line. Von dort bringt uns ein kleiner Van hinunter zum Hafen, wo bereits das Boot auf uns wartet.

Zu Beginn gibt es im warmen Innenraum eine kurze Einweisung bei Tee und Kaffee. Doch danach zieht es fast alle Passagiere direkt hinaus aufs Außendeck.

Und dort draußen wartet pure Magie.

Zwar ist es eisig kalt, aber die Landschaft ist schlicht unbeschreiblich schön. Die Mitternachtssonne taucht die Eisberge in warme Gold-, Orange- und Rosatöne und lässt die gesamte Diskobucht fast surreal wirken.

Die Reiseleiterin erzählt während der Fahrt spannende Geschichten über den Eisfjord und die Entstehung der Eisberge. Dazu gibt es einen wirklich leckeren Cocktail aus grönländischen Kräutern und Beeren – gekühlt mit echtem Gletschereis.

Magischer wird es vermutlich nicht mehr.

Zwischen dem 21. Mai und dem 24. Juli geht die Sonne in Ilulissat übrigens gar nicht unter. Die gesamte Nacht liegt dadurch in einem unwirklich schönen Licht.

Nach der Tour werden wir zurück zum Büro gefahren und ich falle später völlig erschöpft, aber glücklich ins Bett.

Mächtig, hell und perfekt gespiegelt im nahezu spiegelglatten Wasser.

Mächtig, hell und perfekt gespiegelt im nahezu spiegelglatten Wasser.

Eisberge im warmen Licht der Mitternachtssonne.

Die Icefjord Evening Cruise zwischen den Eisbergen.

Boot der Icefjord Evening Cruise in der Diskobucht.

Eisberge während der Abendfahrt durch die Diskobucht.

Farbenspiel der Mitternachtssonne über der Diskobucht.

Abendstimmung über dem Ilulissat-Eisfjord.

Chaos beim Rückflug

Wie ich bereits zu Beginn geschrieben habe, gibt es in Grönland keine Straßen zwischen den Städten.

Für die Anreise hatte ich mich bewusst für das Küstenschiff entschieden, zurück wollte ich jedoch mit Air Greenland nach Nuuk fliegen.

Da Ilulissat nur über eine relativ kurze Landebahn verfügt, können hier lediglich kleine Propellerflugzeuge starten und landen. Die Plätze sind begrenzt und die Flugpreise entsprechend teuer.

Schon vor der Reise hatte ich gelesen, dass Flüge in Grönland wetterbedingt häufig verspätet oder gestrichen werden.

Wie sehr das tatsächlich meine Reise beeinflussen würde, war mir allerdings nicht bewusst.

Per Mail erfahre ich plötzlich, dass mein Flug am späten Nachmittag gestrichen wurde und ich erst am nächsten Vormittag fliegen soll.

Problematisch daran: Für Ilulissat habe ich natürlich keine weitere Unterkunft gebucht, sondern nur für Nuuk.

Ich telefoniere hektisch Hotels ab – doch die wenigen Unterkünfte in Ilulissat scheinen komplett ausgebucht zu sein.

Stundenlang erreiche ich niemanden bei der Airline. Irgendwann erfolgt dann doch ein Rückruf: Für gestrandete Passagiere wurde eine Notunterkunft in einer Schule eingerichtet.

Ich schaue mir die Unterkunft kurz an, fühle mich dort als alleinreisende Frau allerdings nicht besonders wohl.

Später höre ich von anderen Reisenden sogar Geschichten von Menschen, die im Lagerraum eines Supermarktes oder privat bei Einheimischen untergebracht wurden.

Mit viel Glück ergattere ich schließlich doch noch ein Zimmer im HOTEL SØMA Ilulissat inklusive Frühstück.

Das Hotel liegt etwas außerhalb Richtung Flughafen und bietet praktischerweise sogar einen kostenlosen Shuttle-Service zum Airport an.

Und ehrlich gesagt: Die Unterkunft ist traumhaft schön.

Von meinem Fenster aus blicke ich direkt auf Schlittenhunde, die vor ihren Hütten liegen oder lautstark miteinander kommunizieren.

Schlittenhunde vor dem Fenster des Hotel Søma in Ilulissat.

Blick auf Ilulissat vom Hotel Søma aus.

Noch mehr Flugchaos

Nach einer himmlischen Nacht und einem wirklich guten Frühstück bringt mich der Shuttle am nächsten Morgen zurück zum Flughafen.

Und dort folgt direkt die nächste Überraschung:

Auch mein neuer Flug wird gestrichen.

Der darauffolgende Flug? Ebenfalls voll – eine Reisegruppe erhält Vorrang und ich bleibe erneut zurück.

Langsam bekomme ich das ungute Gefühl, dass mein Rückflug nach München am nächsten Tag vielleicht ohne mich starten könnte.

Erst am späten Nachmittag darf ich schließlich doch noch in ein kleines Propellerflugzeug Richtung Nuuk steigen – mit Zwischenstopp in Aasiaat.

Zurück in Nuuk nehme ich erneut den Bus ins Zentrum und checke im Eagle View Guesthouse ein – eine wirklich schöne Unterkunft mit viel Platz.

Eigentlich hatte ich geplant, an meinem letzten Tag noch den Lille-Malene-Hike zu machen und abends eine Puffin-Watching-Tour zu unternehmen.

Doch da ich erst spät ankomme und das Wetter inzwischen regnerisch ist, lasse ich den Tag entspannt ausklingen und schlendere einfach noch einmal entlang des Boardwalks durch Nuuk.

Letzter Blick auf Ilulissat vor dem Weiterflug.

Abendspaziergang entlang des Boardwalks in Nuuk.

Abschied von Grönland

Am nächsten Morgen scheint plötzlich wieder die Sonne und der Himmel ist blau.

Ich laufe ein letztes Mal durch Nuuk, nehme den Bus zum Flughafen und unterhalte mich unterwegs mit der unglaublich herzlichen Busfahrerin, die während der gesamten Fahrt mit den Fahrgästen plaudert.

Ein irgendwie perfekter letzter Moment dieser Reise.

Grönland hat mich vollkommen überwältigt.

Flugstreichungen, spontane Planänderungen und organisatorisches Chaos gehören hier manchmal einfach dazu. Doch genau das macht eine Reise nach Grönland irgendwie auch zu einem Abenteuer. Denn kaum ein Ort auf der Welt fühlt sich noch so wild, ursprünglich und echt an wie Grönland.

Die Landschaften gehören ohne Zweifel zu den spektakulärsten Orten, die ich je gesehen habe. Gleichzeitig muss ich aber auch sagen, dass Reisen in Grönland Geduld erfordert. Wetterumschwünge, Flugstreichungen und spontane Änderungen gehören hier einfach dazu.

Manchmal wirkte die Organisation tatsächlich erstaunlich chaotisch.

Denn kaum ein Ort auf der Welt fühlt sich noch so wild, ursprünglich und unberührt an wie Grönland.

Der Blick aus dem Flugzeugfenster auf die zerklüftete Küste Grönlands – selbst beim Rückflug fällt der Abschied schwer.
Der Blick aus dem Flugzeugfenster auf die zerklüftete Küste Grönlands – selbst beim Rückflug fällt der Abschied schwer.

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