Wadi Rum: Mit Beduinen Jordaniens Wüste entdecken

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Es ist bereits dunkel. Einzige Lichtquelle ist der gigantische Sternenhimmel über uns. Mit kleinen Ästen und trockenen Sträuchern, die vorab sorgfältig von unseren zwei selbsternannten Guides zusammengesucht wurden, wird ein kleines Feuer gemacht, um uns darauf in einem alten verrußten zuckersüßen Teekessel Tee zu kochen.

Ich sitze im Sand, angelehnt an einer Felswand und lasse die letzten beiden Tage bei knisterndem Feuer vor meinem Auge Revue passieren. Wir befinden uns mitten in der Wüste und um uns herum sind nichts als Sand, Canyons und ein paar umherirrende Kamele. Da realisiere ich, wie wenig man doch zum glücklichsein braucht.

Aber nun von vorn: Von Aqaba fuhren wir weiter nach Wadi Rum. Wir hatten vorab nichts gebucht aber das ist hier kein Problem. Hier wird man am Visitor Center bereits von zahlreichen selbsternannten “Tourguides” erwartet. Spontan einigten wir uns mit zwei jungen Beduinen auf eine 2-Nächte Jeep-Tour für 130 Dinar, also 65 Dinar pro Person. Ein wirklich guter Preis.

Wadi Rum - Jordanien

Rote und weiße Sanddünen, außergewöhnliche Felsformationen: Wadi Rum ist das größte und bekannteste Wadi Jordaniens und so beeindruckend und außergewöhnlich, dass es sich kaum in Worten beschreiben lässt. Wadi Rum gehört zu den Orten auf der Welt, die man einfach selbst erleben muss. Wadi Rum zählt zum UNESCO Weltkulturerbe und wird von Beduinen bewohnt. Einige leben in einem der beiden kleinen Dörfer in einfachen gemauerten Häusern. Die meisten leben allerdings außerhalb der Dörfer in kleinen Beduinenzelten.

Wadi Rum - Jordanien

Jeep-Tour durch die Wüste von Wadi Rum

Auf der Ladefläche eines in die Jahre gekommenen offenen Jeeps fuhren wir in die Wüste. Extra schnell – klar. Die beiden jungen Beduinen wollten uns beeindrucken. Umso weiter man in die Wüstenlandschaft hineinfuhr, desto einsamer und eindrucksvoller wurde die Umgebung. Riesige Sandberge, groteske Felsformationen, schmale Felsschluchten und Sand soweit das Auge reicht. Fantastisch! Allein schon die Fahrt mit dem in die Jahre gekommenen Jeep mitten durch diese gigantische Wüste zu fahren war überwältigend.

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Wir fuhren zu einer riesigen Sanddüne, von der man eine gigantische Aussicht über die beeindruckende Landschaft hatte. Spätestens hier wird einem bewusst: Wir sind die einzigen Menschen weit und breit. Allmählich ging die Sonne unter und die Wüstenlandschaft begann in sanften Rottönen zu erstrahlen.

Wadi Rum: Übernachtung im Touricamp

Wir wurden von unseren beiden “Tourguides”, mit denen wir es wirklich nicht besser hätten treffen können, in unser Camp für die Nacht gefahren. Mit einem Beduinencamp hatte das hier allerdings nichts zu tun. Aneinandergereihte Zelte mit wahlweise einem Doppel- oder zwei Einzelbetten darin, einem großen Essenszelt in dem Frühstück und Abendessen serviert werden und eine Hütte mit Sanitäranlagen. Es gab Strom und sogar WLAN! In der Wüste! Da fehlen doch wirklich nur noch die Klimaanlage und der Roomservice. Nein quatsch, Scherz beiseite. Es war natürlich viel komfortabler als ich es erwartet hatte aber mit Beduinenleben hat das hier nun wirklich nichts zu tun. Das Abendessen war aber ein Genuss.

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Wie gerne die Beduinen klettern gehen, durften wir am nächsten Tag erfahren. Mit einem 4WD das scheinbar noch mehr Jahre auf den Buckel hatte als das vom Vortag, ging es weiter durch die Wüste von Wadi Rum. Erster Halt des Tages war die beeindruckende Burdah Rock Bridge und ich schaute dort unseren Guide mit großen Augen an. “Was willst du von mir?” “Da soll ich hochklettern?”. Na klar, sind ja nur etwa 35 Meter, ohne irgendeine Sicherung, geschweige denn eine Oberfläche, die einem einen festen Stand ermöglicht. Nun gut. Stolz wie Oskar stand ich 5 Minuten oben auf dem Felsen und genoss den fantastischen Ausblick.
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Am Nachmittag kamen wir an vielen weiteren bizarren Felsformationen vorbei und unsere Guides bewiesen uns bei jeder von ihnen ihre Kletterkünste. Außerdem gaben sie uns eine Nachhilfestunde in allem, was man für ein Leben in der Wüste braucht. Dazu gehören die Basics im Klettern, wie man Feuer macht, wie man ohne Strom Wasser kühlt oder welche Blätter oder Pflanzen man bei welchen Beschwerden konsumieren sollte. Beeindruckend! Mir wird immer mehr bewusst wie sehr mich das Wüstenleben hier beeindruckt und wie gerne ich ebenfalls mal für eine längere Zeit aussteigen und mich diesem Lebensstil anschließen würde. Nur von dem Leben was die Natur hergibt muss toll sein.

Wadi Rum - Jordanien
Wadi Rum - Jordanien

Langsam begann es zu dämmern und unsere beiden Guides suchten uns ein besonders schönen Platz, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Wir saßen oben auf einem Felsen und blickten auf die vor uns liegende Wüstenlandschaft die sich langsam in rot- und orangetönen einfärbte. Ich fühle mich wie der König der Löwen und denke mir: “Das Leben ist so schön!”
Wadi Rum - Jordanien
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Wadi Rum: Der wohl schönste Schlafplatz der Welt

In kompletter Dunkelheit machen wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz für die Nacht, denn heute Nacht schlafen wir wie echte Beduinen: Mitten in der Wüste, im Freien, im Sand und über uns nichts als der beeindruckende Sternenhimmel.

Wadi Rum - Jordanien

Und da saß ich nun, mitten in der Wüste und einem viel zu süßen Tee in der Hand und beobachte die Herren wie sie sorgfältig unser Essen auf dem Feuer zubereiteten und fragte mich, ob es komisch für sie sein muss Frauen zu bekochen.

Eine seltsame Frage zerrte mich aus meinen Tagträumen: “Wie viele Ehefrauen hat dein Vater?”, fragte mich einer der beiden. “Eine.” antwortete ich ganz selbstverständlich und erntete einen verwunderten Gesichtsausdruck bevor ich lernte, dass es bei den Beduinen ganz normal sei bis zu drei Ehefrauen und sehr viele Kinder zu haben. Sie gaben uns Nachhilfe in Bezug auf den Islam und über das Familienleben. Mir wird immer bewusster wie anders die Männer hier sind. Sie sind Überlebenskämpfer, Beschützer, sind hart im Nehmen und mögen es, Eindruck zu schinden.

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Das Feuer war mittlerweile erloschen aber dunkel war es trotzdem nicht. Es war Vollmond und der strahlende Mond erhellte unsere Umgebung. Ich liege auf meiner Matte auf dem Boden und betrachte den gigantischen Sternenhimmel. Sogar die Venus konnte man flackern sehen und an besonders klaren Nächten, kann man wohl sogar die Milchstraße sehen. Die Atmosphäre könnte nicht schöner sein. Was für ein geniales Gefühl!

Mein Fazit von Wadi Rum

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Die drei Tage in Wadi Rum waren gigantisch und ein einmaliges Erlebnis, das man einfach selber erleben muss. Diese wunderschöne Landschaft, die teilweise nicht von dieser Welt zu sein scheint, das einfache Leben der Beduinen kennenzulernen und diese Eindrücke mit keinen anderen Touris teilen zu müssen ist fantastisch. Das Klettern durch enge Felsspalten, die traumhaften Sonnenuntergänge…fabelhaft.

Auch mit unseren beiden Guides hätten wir es nicht besser treffen können. Anfangs waren sie im Umgang mit uns sehr zurückhaltend, tauten aber mit der Zeit immer mehr auf und waren unheimlich freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit. Amüsant war allerdings, wie sie uns ganz offensichtlich durch ihren Fahrstil und ihren Kletterkünsten beeindrucken wollten. Und eines kann niemand bestreiten: Wadi Rums Wüste mit dem fantastischen Sternenhimmel ist ohne jeden Zweifel der schönste Schlafplatz der Welt und ein einmaliges Erlebnis. Um einen nur Wüste und über einem tausende Sterne.

Weitere Impressionen

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